Münchener Rück baut Kerngeschäft um

Statt derzeit 18 wird es ab Mitte 2001 nur noch sieben Geschäftsbereiche geben. Von Herbert Fromme, Köln, und Gerhard Hegmann, München

Die Münchener Rückversicherung, weltweit einer der Branchenführer und einer der schwersten Dax-Werte, gibt sich in seinem Kernbereich Rückversicherung eine grundlegend neue Struktur. Statt 18 soll es nur noch sieben Geschäftsbereiche geben. Entsprechend werden die Führungsverantwortlichkeiten verändert.

Die bisherige Matrixorganisation aus Spartenverantwortlichen einerseits und Managern mit Länder-oder Kundenverantwortlichkeit andererseits wird durch eine strikte Zuständigkeit nach Ländern und Kundensegmenten abgelöst. Entsprechende Informationen der Financial Times Deutschland bestätigte das Unternehmen gestern. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Nikolaus von Bomhard soll die neue Organisation Mitte 2001 stehen. Die alte Struktur der Münchener Rück erlaube „keine optimale Bearbeitung des Geschäfts“, teilte der Vorstand den Mitarbeitern per E-Mail mit. Zurzeit führt die Unternehmensleitung mit fast 1000 Mitarbeitern in der Münchner Konzernzentrale Gespräche über ihre künftigen Aufgaben. „Für ein Traditionsunternehmen wie die Münchener Rück ist das wie eine Kulturrevolution“, sagte ein Unternehmensinsider. Während er von Unruhe bei betroffenen Mitarbeitern spricht, sieht von Bomhard nur „eine unglaubliche Aufbruchsstimmung“. Entlassungen soll es nicht geben.

Im Kerngeschäft Rückversicherung deckt das Unternehmen Risiken ab, die Erstversicherer weitergeben – um sich etwa gegen Katastrophenschäden zu schützen oder weil ihr Eigenkapital nicht ausreicht. Das können Feuer-, Haftpflicht-oder Sturmrisiken sein. Bisher war die Münchener Rück auch vom Vorstand abwärts nach Sparten und Regionen gleichzeitig gegliedert. Der Nachteil: Kunden hatten nie einen einzigen Ansprechpartner – neben den „Verkäufern“ gab es auch einen Verantwortlichen, der ihre Feuerrückversicherung zeichnete, einen anderen für Auto, einen dritten für Haftpflicht. „Das passt nicht mehr zur Marktstruktur“, sagte von Bomhard. „Viele Versicherungen werden immer größer. Die Anforderungen sind spezifischer, eine große Versicherung hat andere Ansprüche als kleine und mittlere Unternehmen.“ Heute gehe es den Versicherungen um ihr Gesamtrisiko – und nicht um die Platzierung einer einzelnen Feuer-oder Luftfahrtdeckung, erläuterte von Bomhard. Entsprechend sollen künftig alle Leistungen der Münchener Rück aus einer Hand kommen, sowohl Risikobearbeitung als auch Marketing und Koordination.

„Wir erhoffen uns auch mehr unternehmerisches Denken“, sagte von Bomhard – und damit einen besseren Ertrag aus dem Rückversicherungsgeschäft. Die Matrixstruktur fördert offenbar das Volumendenken, und macht damit anfällig für Preissenkungen, um Marktanteile zu verteidigen.

Die jetzige Umstrukturierung betrifft nur die Münchener Konzernmutter. Rund die Hälfte ihres Umsatzes von rund 34 Mrd. im Jahr 2000 macht der Konzern aber mit der Erstversicherung, vor allem die Tochter Ergo (DKV, Victoria, Hamburg-Mannheimer, DAS). Bisher gibt es keine Pläne, die Gesamtstruktur zu ändern – und die beiden Flügel Rück-und Erstversicherung unter eine Holding zu stellen. Vorsorge getroffen hat der Konzern aber auch dafür. So hat die Münchener Rück in den vergangenen Wochen insgesamt drei Aktiengesellschaften beim Handelsregister in München eintragen lassen. Dabei handelt es sich um eine Munich Financial Services AG Holding, eine Münchener Finanz Gruppe AG Beteiligungen sowie eine Munich Financial Group AG. Ein Sprecher betonte, dass es sich um so genannte „Vorratsgesellschaften“ handele. Es seien damit keine unmittelbar anstehenden Umstrukturierung-oder Geschäftsaktivitäten geplant. Die Münchener Rück habe sich mit der Gründung auch die Namen gesichert. Als Geschäftsgegenstand wird der Erwerb und die Verwaltung von Vermögen, wie Anteile an Kapital-und Personengesellschaften, Immobilien oder Wertpapieren genannt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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