Allianz Lebensversicherung nutzt Mannesmann-Gewinne

Mit Aktienverkäufen Nettoverzinsung gesteigert-Neugeschäft stark zurückgegangen. Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz Lebensversicherung meldet für 2000 eine „deutliche Steigerung“ der Nettoverzinsung der Versichertengelder von 7,6 Prozent auf 7,8 Prozent. Die Verzinsung ist in der bevorstehenden heftigen Konkurrenzschlacht um das Geschäft mit der Riester-Rente ein entscheidendes Argument der Wettbewerber. Die Allianz hat die Verbesserung trotz des „schwierigen Kapitalmarktumfelds“ durch Aktienverkäufe im ersten Halbjahr erreicht – rechtzeitig vor dem Einknicken der Aktienmärkte. Damit erzielte die Gruppe, deren Hauptaktionäre Allianz AG (50,3 Prozent) und Münchener Rück (40,6 Prozent, Rest Streubesitz) sind, außerordentliche Gewinne von 1,5 Mrd.E. Allein der Umtausch von Mannesmann-Aktien in Vodafone-Papiere nach der Übernahmeschlacht und deren Verkauf brachten der Allianz Leben 600 Mio.E.

Entsprechend gingen die so genannten Bewertungsreserven des Unternehmens zurück: Ende 1999 betrugen sie 23,5 Prozent des Buchwerts der Kapitalanlagen, Ende 2000 noch 19,6 Prozent. Die Bewertungsreserven zeigen die Differenz zwischen den Marktwerten und den Buchwerten von Kapitalanlagen.

Im Neugeschäft erlitt die Allianz Leben wie der Rest des Marktes einen Einbruch. Im Jahr 1999 hatten die später zurückgezogenen Besteuerungspläne von Finanzminister Eichel für einen Boom gesorgt, den die Branche 2000 nicht wiederholen konnte. Die Allianz brach im Neugeschäft um 22,9 Prozent auf 1,9 Mrd.EJahresprämie ein. Vor allem betroffen waren Verträge gegen laufende Beitragszahlung, die um 55,4 Prozent auf 0,5 Mrd.Ezurückgingen. Das Neugeschäft gegen Einmalbeitrag (vor allem sofort beginnende Renten) stieg leicht um 5,8 Prozent auf 1,4 Mrd.E. Die gesamten Beitragseinnahmen wuchsen um 2,1 Prozent auf 8,4 Mrd.E.

Die mäßigen Zahlen aus Stuttgart konnten den guten Verlauf der Aktie nicht bremsen. Seit dem 1. Januar hat das Papier um 29 Prozent von 401Eauf 516Ezugelegt. Offenbar erwarten viele Anleger, dass die Allianz Leben von der Riester-Rente profitiert. Allerdings muss das Unternehmen für die Startphase bis 2008 auch mit hohen Kosten rechnen, zum Beispiel durch die Vorfinanzierung von Provisionen. Einzelheiten will die Allianz erst nennen, wenn die Rentenreform verabschiedet ist. Doch sei klar, dass die Verteilung der Provision über zehn Jahre wie im Riester-Modell vorgesehen „so mit dem Außendienst nicht machbar ist“, sagte ein Sprecher.

Neue Produkte seien zurzeit in Vorbereitung. Bisher müssen die Lebensversicherungen 3,25 Prozent Nettoverzinsung garantieren – bei der Riester-Rente nur den Kapitalerhalt, also null Prozent. „Das erfordert natürlich andere Produkte“, hieß es. Unter anderem sei eine flexible fondsgebundene Police in Vorbereitung, bei der Anleger mit zwei Dritteln des Kapitals zwischen Fonds wechseln können. Bisher spielten fondsgebundene Produkte bei der Allianz keine Rolle, nur die Tochter DLV verkaufte solche Policen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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