Japanische Sachversicherer brauchen Zeit zur Anpassung

Moody’s sieht langfristig Gefahren für den Sektor. Von Anja Krüger, Köln

Den japanischen Schaden-und Unfallversicherern droht vorläufig nicht dasselbe Schicksal wie den Lebensversicherern des Inselstaates. Allerdings bleibt die Sparte nur mittelfristig stabil, langfristig könnte sie große Probleme bekommen. Zu diesem Schluss kommt die Rating-Agentur Moody’s.

Der japanische Schaden/Unfall-Versicherungsmarkt ist der zweitgrößte der Welt nach dem der USA. Während viele Lebensversicherer wegen hoher Garantieversprechen und niedriger Zinseinnahmen ins Schlingern geraten sind, steht der Sektor Schaden/Unfall bisher relativ gut da. Den Unternehmen ist es gelungen, kontinuierlich versicherungstechnische Gewinne zu melden. Das heißt, ihre Schäden und Kosten waren niedriger als die Beitragseinnahmen.

Sie waren also nicht angewiesen auf Zinserträge, um schlechte operative Ergebnisse auszugleichen. Gleichzeitig leidet der Schaden/Unfall-Bereich relativ wenig unter Problemen mit notleidenden Darlehen und negativen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt, die andere Finanzdienstleister viel Geld gekostet haben.

Einige Marktteilnehmer nutzen ihre relative Stärke sogar, um ins Lebensversicherungs-und Finanzgarantiegeschäft einzusteigen, sagen die Moody’s-Analysten Hideyuki Ito und Rafael Villarreal.

Sie bescheinigen der Branche gute Marktbeherrschung und eine bemerkenswerte finanzielle Stärke. Doch auf Grund fallender Prämieneinnahmen könnten die Unternehmen bald technische Verluste machen – dafür gab es schon vor der Liberalisierung 1998 deutliche Zeichen. „Einige Gesellschaften haben jetzt die Grenze erreicht. Dabei erschienen noch vor wenigen Jahren technische Verluste als höchst unwahrscheinlich“, konstatiert Ito. Diese Entwicklung zusammen mit niedrigen Zinsen könnte ernsthafte Probleme bringen.

Auch in Japan gab es in den letzten Jahren eine Konsolidierung – aber aus anderen Motiven als in ähnlich entwickelten Märkten. Die japanischen Versicherer schlossen sich nicht als Teil der Veränderungen im Markt zusammen, sondern um diese Veränderungen gerade hinauszuzögern. Dabei war der Markt schon vorher hoch konzentriert. Rund ein Dutzend Gruppen kontrollieren 80 Prozent des Marktes, das Geschäft kommt fast ausschließlich von firmengebundenen Vertretern. Die Rating-Agentur befürchtet, dass die rasante Marktentwicklung diese defensive Geschäftsstrategie der Unternehmen obsolet machen könnte. Sollte der Konkurrenzkampf sich schneller entwickeln, als die Versicherer reagieren können, etwa mit der Erschließung alternativer Einnahmequellen und durch Verringerung ihrer Kosten, werden sie Verluste machen und Kapital verlieren.

Quelle: Financial Times Deutschland


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