Zurich-Aktie fällt nach Gewinnwarnung

Versicherungssektor gerät durch Verluste in manchen Sparten und Börsenflaute unter Druck. Von Herbert Fromme, Köln

Die Aktienmärkte reagierten gestern mit einem scharfen Fall auf die Gewinnwarnung der Zurich Financial Services Group (ZFS). In Zürich fiel die Aktie um 7,8 Prozent auf 852 Franken.

Die ZFS hatte am Vormittag bekannt gegeben, dass die Gruppe für das Jahr 2000 einen Gewinn unterhalb den 2,29 Mrd. $ des Jahres 1999 ausweisen würde. Genaue Zahlen sollen am 22. März veröffentlicht werden. Bei einer telefonischen Pressekonferenz am Nachmittag sagte ZFS-Chef Rolf Hüppi, dass der Gewinn um höchstens fünf Prozent sinken würde. Bis vor wenigen Monaten hatte der Versicherungschef noch den Eindruck vermittelt, der Gewinn werde um 10 bis 15 Prozent steigen.

Der Versicherungssektor ist vor weiteren Turbulenzen nicht sicher: Bei vielen Unternehmen verursachen die Jahresabschlüsse Kopfzerbrechen. Fein raus ist nur, wer im Frühjahr 2000 Gewinne durch Aktienverkäufe realisiert hat. Diese Gesellschaften können Verluste aus dem eigentlichen Versicherungsgeschäft in den Auto-, Industrie-und Haftpflichtsparten decken und hohe Erträge für die Kunden ihrer Lebensversicherungen zeigen. Alle, die im Frühjahr auf den Verkauf von Aktien verzichteten, könnten unter Druck geraten.

Bei der ZFS stamme die Belastung vor allem aus dem aktiven Rückversicherungsgeschäft, sagte der Versicherungschef Hüppi. Im Londoner Markt holte sich die ZFS mit so genannten „Finite-Risk-Verträgen“ für die Jahre 1995 bis 1997 hohe Schäden ins Haus. Außerdem machte das Unternehmen in den USA in den Jahren 1997 und 1998 Verluste mit Berufshaftpflichtpolicen.

Für Verluste aus beiden Märkten musste sie im letzten Quartal 2000 rund 300 Mio. $ zurückstellen. Die ZFS sei bei einer Überprüfung aller Rückversicherungsverträge auf die Risiken gestoßen und habe sie voll abgedeckt.

Als „Finite Risk“ werden Finanz-Rückversicherungsverträge bezeichnet, die ein limitiertes Versicherungsrisiko beinhalten und im Wesentlichen ein Finanzierungsinstrument für Versicherungen und andere Unternehmen darstellen. Der hohe Verlust aus dem Londoner Geschäft überrascht deshalb. Allerdings mussten mehrere Rückversicherer in den letzten Wochen dort Schläge einstecken. Ein weiterer belastender Faktor: Für Sturm-und andere Unwetterschäden musste die ZFS in den vergangenen Monaten 100 Mio. $ mehr als erwartet ausgeben. Und die Vereinheitlichung der Holdingstruktur sowie der starke US-Dollar kostete die Gruppe weitere 100 Mio. $.

Zudem hatten die Manager bei der Anlagepolitik kein Glück. Andere Versicherungsgruppen, unter ihnen die Schweizer Rück, die Allianz und die Axa, stießen in den ersten Monaten des Jahres hohe Aktienbestände ab und realisierten so stille Reserven vor der Börsenflaute. Die ZFS hingegen hatte ausdrücklich auf Gewinnmitnahmen verzichtet und auf bessere Zeiten im Aktienmarkt gehofft.

Jetzt hofft Hüppi auf eine Erhöhung der Preise in mehreren Sparten. Das langfristige Ziel einer nachhaltigen Gewinnsteigerung von 10 bis 15 Prozent pro Jahr will er beibehalten. Die Gewinnwarnung hatte vor allem Analysten überrascht. Mit ihrem Fokus auf Lebens-und Krankenversicherungen, der hohen Präsenz in den USA und der fortgeschrittenen Nutzung von Internettechniken wurde der Schweizer Konzern häufig zum Kauf empfohlen.

Ähnliche negative Überraschungen drohen vor allem bei kleinen und mittleren Versicherungen. Sie haben ihre Aktienbestände erst aufgebaut, als die Börsenkurse hoch waren. Statt aus dem Aktienbestand Gewinne zu machen, müssen diese Unternehmen auf ihre teuer eingekauften Bestände zum Jahresende Abschreibungen vornehmen. Zudem haben die meisten auch noch Verluste in der Schaden-und Unfallversicherung.

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Schlechte Bilanz im ersten Halbjahr 20002000 1999 Veränd. Bruttoprämien* 25418 24936 1,5% Ertrag aus Vermögensverwaltung 778 703 10,7% Kapitalerträge und realisierte Kapitalgewinne (netto) 4331 5093 -15,0% Betriebsergebnis 1861 2518 -26,1% Gewinn 1265 1674 -24,4% Kapitalanlagen 119552 117379 1,9% Versicherungstechnische Rückstellungen (netto) 98356 98878 -0,5% * zum 30. Juni; Quelle: Zurich Financial Services.

 

Quelle: Financial Times Deutschland

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