DKV sucht neuen Markt bei gesetzlich Krankenversicherten

Marktführer bietet Deckung für medizinische Vorsorge. Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) zielt auf ein neues Geschäftsfeld: Sie bietet Kassenpatienten Versicherungsschutz an für Leistungen, die ihnen die Krankenkassen nicht oder nicht mehr bezahlen. Anfang April bringt die DKV als erstes Produkt einen Tarif für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf den Markt, der Lücken im Bereich der medizinischen Vorsorge deckt.

Viele Vorsorgeuntersuchungen werden von der GKV erst ab einem bestimmten Alter bezahlt oder nur dann, wenn bei den Patienten ein besonders hohes Risiko vorliegt. Dazu gehört die Mammographie zur Brustkrebsprävention. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss dafür bezahlen.

Hier setzt die DKV, eine Tochter der Münchener Rück, mit dem Tarif Optimed O1G an. Er deckt die Kosten für rund 30 Vorsorgeuntersuchungen und – beratungen und kostet zwischen 10 und 40 DM im Monat. Der Tarif passt sich Veränderungen bei den Kassen an: Streichen sie eine Leistung oder nehmen eine neue auf, ändern sich das Leistungsspektrum von Optimed und der Preis. Die DKV hat das neue Produkt gemeinsam mit der Kölner Med Well Gesundheits-AG entwickelt, die einen Markt für privat finanzierte ärztliche Leistungen aufbauen will. Die DKV hält zehn Prozent an Med Well. „Wir versprechen uns von dem neuen Produkt und der dahinter stehenden Partnerschaft mit Med Well die Erschließung eines neuen Marktes bei gleichzeitigem Innovationsvorsprung vor unseren Wettbewerbern“, sagte DKV-Vorstandsmitglied Günter Dibbern.

Dieser neue Markt ist groß. Immerhin gibt es rund 72 Millionen Krankenkassenmitglieder, der Leistungsumfang wird für sie abnehmen. Trotzdem ist Dibbern mit einer Prognose für die Verkaufschancen von Optimed vorsichtig. „Wenn wir Ende 2002 nicht 50000 Kunden haben, wäre ich enttäuscht.“

Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen habe jüngst die Bedeutung der Vorsorge betont, sagte Med Well-Vorstand Lothar Krimmel. „Unser Tarif bietet die für den einzelnen Kunden optimalen Vorsorgeleistungen. Außerdem partizipieren die Kunden sofort an den Fortschritten der Vorsorgemedizin.“

Med Well baut zurzeit ein Netzwerk von Partner-Ärzten auf, die bestimmte Qualitäts-und Abrechnungsstandards übernehmen und als Med Well-Ärzte zertifiziert werden. Geht der Optimed-Kunde zu einem solchen Arzt, rechnet dieser direkt mit der DKV ab, alle anderen Ärzte stellen ihm eine Rechnung.

Die DKV sieht für die einzelnen Leistungen Höchsterstattungsbeträge vor. Berechnet der Arzt mehr, muss der Patient zuzahlen. Krimmel geht aber davon aus, dass die meisten Ärzte die Höchstbeträge der DKV akzeptieren. Denn dann müssen sie keine lästigen Diskussionen mit den Patienten führen und verdienen immer noch ein schönes Zubrot zu ihrem Umsatz mit Kassenleistungen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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