Münchener Rück und HVB-Gruppe endlich vereint

Kooperation wird vertieft, aber kein Allfinanzkonzern geplant. Von Herbert Fromme, Köln, und Gerhard Hegmann, München

Durch die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz können mit Münchener Rück und HypoVereinsbank (HVB) zwei weitere Königskinder zueinander kommen.

Die Ergo-Gruppe der Münchener Rück gehört mit 12,6Mrd. Euro Prämieneinnahmen zu den führenden Erstversicherern. Zur Zeit arbeitet die Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer in bestimmten Regionen mit der Dresdner Bank zusammen, die ansonsten Partnerin der Allianz ist. Gleichzeitig hat ihre Schwestergesellschaft Victoria eine ähnliche, äußerst erfolgreich laufende Vereinbarung mit der HVB, die in Süddeutschland wiederum mit der Allianz kooperiert.

Wenn die Dresdner Bank zur Allianz geht, würde dieser Flickenteppich aufgelöst: Die HVB hätte nur noch einen Versicherungspartner, die Ergo. Der zweitgrößte deutsche Bankkonzern mit über 716 Mrd. Euro Bilanzsumme könnte endlich gemeinsam mit der Ergo neue Produkte für die Vermögensanlage, die Altersvorsorge und den Versicherungsbereich entwickeln und vertreiben.

Für die Versicherer innerhalb der Ergo-Gruppe stellt sich die Lage nicht so einfach dar: Schließlich arbeiten sie unter verschiedenen Marken. Sie müssten sich dann einigen, welche Marke oder Marken die HVB vertreiben soll.

Trotzdem sieht die Münchener Rück den geplanten Deal positiv. Sie könnte nach einem Ringtausch mit der Allianz einen deutlich stärkeren Einfluss bei ihrem Wunschpartner HVB ausüben. Heute hält die Münchener Rück offiziell 5,4 Prozent an der Bank, der tatsächliche Anteil dürfte deutlich darüber liegen. Die Allianz kommt auf 13,7 Prozent. Die Bank hält neben ihren 13,3 Prozent an der Münchener Rück auch 6,8 Prozent an der Allianz. Das dürfte ein enges Zusammenrücken von HVB und Münchener Rück nicht behindern. Beide streben keine Bildung eines Allfinanzkonzerns an, sondern eine vertiefte Kooperation, die mit wechselseitigen Kapitalverflechtungen unterlegt ist.

HVB-Vorsitzender Albrecht Schmidt wird erleichtert sein über die Lösung. Sein Verhältnis zur Allianz ist nicht spannungsfrei, weil er die Münchener Rück als Partnerin favorisiert und seit zehn Jahren die Zusammenarbeit schrittweise erweiterte. Im Januar 2001 ging beispielsweise die Fonds-Service-Bank als Gemeinschaftsunternehmen von HVB und Meag/Münchener Rück zur Verwaltung von Investmentdepots (Activest-, Meag-Fonds) an den Start. Die Zahl der Depots soll von derzeit 200 000 auf über 800 000 binnen drei Jahren steigen.

Sowohl die Münchener Rück als auch die HVB mit derzeit gut 130 Mrd. Euro Vermögensanlagen unter eigener Verwaltung wollen das Zukunftsgeschäft der Kapitalanlagen (Asset Management) ausbauen. Die HVB holt im Mai eigens den Goldman-Sachs-Manager Stefan Jentzsch in den Vorstand, um dieses Geschäftsfeld weiter zu stärken.

Quelle: Financial Times Deutschland


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