Rückversicherung per Internet kämpft um Akzeptanz

Neugründungen Reway und Inreon haben bisher kein aktives Geschäft-Münchener Rück direkt beteiligt. Von Herbert Fromme, Köln

Die beiden neuen Internetplattformen für den elektronischen Abschluss von Rückversicherungsverträgen rühren die Werbetrommel. Obwohl sie seit Wochen online sind, haben Inreon in London und Reway in Köln noch keinen einzigen Abschluss vorzuweisen. Spätestens bis Ende des Jahres, wenn Erst-und Rückversicherer ihre Verträge für 2002 abschließen, wollen beide Anbieter die ersten elektronischen Deals vorweisen.Reway gehört der Gothaer Rück, die Teil der Parion-Gruppe ist. Unternehmenschef Rainer Breeck will sein Konzept in den nächsten Wochen auf Veranstaltungen in London und Berlin vorstellen. Auch der Rivale Inreon führt zur Zeit intensive Verhandlungen mit möglichen Nutzern. Inreon gehört den Weltmarktführern Münchener Rück und Schweizer Rück zu jeweils 25 Prozent. Das US-Unternehmen Internet Capital Group hält 20 Prozent und Accenture, früher Andersen Consulting, fünf Prozent. Der Rest ist für das Management und weitere Aktionäre reserviert. Bei den Verträgen zwischen Rück-und Erstversicherern geht es meistens um die Übernahme von Großrisiken und Katastrophendeckungen. „Rund 25 bis 30 Prozent der Kosten eines Rückversicherers entfallen auf den Vertragsabschluss. Die können wir mit dem Internet drastisch senken“, sagte Inreon-Manager Francis Blumberg der FTD. In den Gesprächen mit möglichen Nutzern stoßen die Plattformen auf starkes Interesse. „Aber bis zur eigentlichen Nutzung ist es noch ein großer Schritt“, sagte Reway-Chef Rainer Breeck. „Manche Unternehmen sagen zu, unser System mit ausgesuchten Risiken zu testen. Andere zucken davor zurück, eine so wichtige Sache wie ihren Rückversicherungsschutz online einzukaufen.“Die Systeme unterscheiden sich deutlich. Reway versteht sich als Auktionsplattform, bei der das Internet die jetzt schon ablaufenden Geschäftsvorgänge widerspiegelt und schneller macht. So kann die Preisfindung über viele Stufen verlaufen. Die Rückversicherungsbedingungen sind frei aushandelbar. Inreon dagegen setzt auf standardisierte Produkte mit feststehenden Bedingungen und nur zwei Schritten in der Preisfindung. „Das Ganze muss sehr schnell und rationell vonstatten gehen“, sagte Blumberg. Bisher haben fünf Rückversicherer zugesagt, über Inreon Rückversicherung anzubieten – die beiden Gründer, die Partner Re, die American Re, die zur Münchener Rück gehört, und die französische Scor. Eine Vergleichszahl von Reway gibt es nicht, weil sich Marktteilnehmer dort nicht in ähnlicher Weise vorher registrieren müssen.Inreon profitiert von der Marktmacht seine Gründer. Reways Vorteil könnte in der größeren Flexibilität und in der Tatsache liegen, dass sich mittelgroße und kleine Anbieter auf einer Internetplattform der Marktführer nicht unbedingt wohl fühlen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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