Umbau der Zurich verhagelt die Bilanz

Gewinn wird 2001 noch einmal sinken – Rückversicherer wird an die Börse gebracht. Von Herbert Fromme, Zürich

Epa/Keystone „2000 und 2001 erachten wir als Übergangsperiode. Da schaffen wir eine solide Basis“ ZFS-Chef Rolf Hüppi

Nach dem herben Gewinneinbruch im Jahr 2000 erwartet die Zurich Financial Services Group (ZFS) für 2001 keine Besserung. Im Gegenteil, der Gewinn wird noch weiter sinken, sagte Konzernchef Rolf Hüppi gestern. Er machte die im letzten Jahr eingeleitete Umstrukturierung dafür verantwortlich.

Als Teil des Umbaus plant die ZFS, das aktive Rückversicherungsgeschäft aufzugeben und es an die Börse zu bringen. Außerdem will Konzernchef Rolf Hüppi weitere bislang nichtgenannte Einheiten verkaufen. Insgesamt trenne die ZFS sich von Unternehmensteilen mit einem Marktwert von 4 Mrd. $, sagte Hüppi. Die deutsche Tochter soll allerdings ausgebaut werden.

Mit einem Kostensenkungsprogramm, Verbesserungen im Anlagebereich und der Rückzahlung von 2 Mrd.$ Schulden flankiert der Konzern die Umstrukturierung.

Die Märkte honorierten die Ankündigung nicht. Die ZFS-Aktie brach um 20 Prozent ein.

Eine ungewohnte Rolle musste der selbstbewusste Konzernchef Hüppi bei den Analysten-und Pressekonferenzen gestern Morgen spielen. Seit seinem Amtsantritt 1988 konnte er in fast jedem Jahr eine Erfolgsstory melden – Übernahmen, Umsatzwachstum und vor allem Gewinnsteigerungen. Er verwandelte die beschauliche Zürich-Versicherungsgruppe in die weltweit agierende Zurich Financial Services Group mit Schwerpunkten in den USA, der Schweiz und Großbritannien. Ihr Umsatz von 50,0 Mrd. $ im Jahr 2000 (plus 4,3 Prozent) macht sie zu einem Schwergewicht in der Branche.

Offenbar leidet die ZFS an Verdauungsproblemen. Gestern räumte Hüppi ein „enttäuschendes Resultat“ für 2000 ein. Der Gewinn, der nach eigener Vorgabe eigentlich jedes Jahr um 10 bis 15 Prozent wachsen sollte, brach um satte 28,7 Prozent von 3,26 Mrd. $ auf 2,33 Mrd. $ ein. Auch der von der ZFS erfundene „normalisierte Gewinn“, bei dem sie die schwankenden Erträge aus dem Verkauf von Aktien und anderen Investments glättet, ging um 5,5 Prozent von 2,22 Mrd. $ auf 2,10 Mrd. $ zurück, der Einbruch ist damit schärfer als von Hüppi im Februar angekündigt.

„Trotzdem ist das Resultat bei Betrachtung der absoluten Zahlen und der Eigenkapitalrendite vertretbar“, argumentierte Hüppi. Mit elf Prozent Eigenkapitalrendite liege die Gruppe „im oberen Ende“ der Ergebnisse vergleichbarer Versicherer.

Noch schwerer fiel es Hüppi, für 2001 eine weitere Verschlechterung ankündigen zu müssen. Der normalisierte Jahresgewinn werde zwischen 1,8 Mrd. $ und 2,0 Mrd. $ liegen. Danach aber soll es wieder kräftig aufwärts gehen, versprach er. Im eigentlichen Versicherungsgeschäft kann sich die ZFS nicht über das Jahr 2000 beklagen: Das operative Ergebnis verbesserte sich sogar leicht auf Grund steigender Preise in wichtigen Märkten, vor allem den USA und Großbritannien. Trotzdem musste der Konzern 2000 eine ganze Reihe von Schlägen einstecken. Darunter waren hohe Kosten aus der Änderung der Konzernstruktur und Nachreservierungen für Rückversicherungs-Altlasten.

Hauptgrund für die Gewinneinbuße waren die geringeren Kapitalerträgen. Die ZFS konnte 2000 nur 8,49 Mrd. $ an Zinsen und Gewinnrealisierungen einfahren, 9,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Während andere Versicherer im ersten Halbjahr im großen Stil Aktien verkauft hatten, hielt die ZFS an ihren Beständen fest.

Hüppi steht zu seinem Grundkonzept: Die Gruppe wird zerlegt in die zentralisierte „Produktion“ von Finanzprodukten auf der einen und die Vertriebe auf der anderen Seite. Der Konzern macht sich mit zahlreichen Projekten fit für das Internet, „web-enabled“ nannte Hüppi das. Die ZFS kooperiert in vielen Feldern mit Anbietern anderer Produkte, so in den USA mit der Bank of America und in Großbritannien mit der Bank of Scotland.

Gleichzeitig tritt die ZFS selbst als Anbieter bei anderen auf. Als Beispiel nannte Hüppi eine gerade geschlossene Vereinbarung des US-Gruppenmitglieds Farmers mit der Ulico-Versicherung, die zur Gewerkschaft AFL/CIO gehört.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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