MLP traut sich zu, auch ohne Riester-Schub zu wachsen

Umsatz und Gewinn steigen im ersten Quartal. Von Herbert Fromme, Frankfurt

In den Jubel der Versicherungsbranche um die Rentenreform will MLP-Chef Bernhard Termühlen nicht einstimmen. Im Gegenteil, während die Versicherungen bereits kräftig verkaufen und rivalisierende Vertriebe wie die DVAG schon fertige Produkte im Angebot haben, warnt Termühlen vor übereilten Abschlüssen. Mit der Beratung zu Lösungen zur Rentenreform will MLP bis zur offiziellen Zertifizierung der ersten Produkte warten. Sie werde aber erst Ende des Jahres vorgenommen werden können.

Auch ohne Riester-Rente will Termühlen das selbst gesteckte Wachstumsziel von 30 Prozent in diesem Jahr halten. Im ersten Quartal legte die börsennotierte Gesellschaft, die seit langem – aber bisher vergeblich – auf einen Platz im Dax hofft, bei den Konzernerlösen um 39 Prozent auf 207 Mio. Euro zu. Das Ergebnis vor Steuern konnte die Gruppe um 33 Prozent auf 19 Mio. Euro steigern.

Man müsse auch langfristig denken, sagte Termühlen. MLP zielt vor allem auf Studenten und junge Berufsanfänger. „Die haben in den ersten Berufsjahren wenig Geld“, sagte er. Zurzeit beträgt das Durchschnittsalter der 390000 Kunden 34 Jahre. Mit zunehmendem Alter steige der Bedarf nach Beratung, Anlageprodukten und Finanzierungen.

Ende März hatte das Unternehmen 2168 Berater, die in 250 Geschäftsstellen organisiert sind. Sie arbeiten für die Kerngesellschaft der Gruppe, die MLP Finanzdienstleistungen AG, die als Vermittler der Produkte auftritt. Daneben gibt es als operative Gesellschaften die MLP Lebensversicherung, die MLP Bank und die MLP Versicherung. Die MLP Leben bietet keine klassischen Kapitallebensversicherungen an, sondern nur fondsgebundene Policen und wenige Risikoversicherungen. Alle Policen werden über die MLP Finanzdienstleistungen verkauft.

Das Vermittlungsunternehmen machte 2000 einen Umsatz von 292 Mio. Euro, plus elf Prozent. Größter Einnahmeposten sind die Provisionen für Lebensversicherungen, die 136 Mio. Euro ausmachten, nach 133 Mio. Euro im Vorjahr. Der Rest teilt sich auf in Finanzierungen, Fondsgebühren und das Kranken-und Sachgeschäft.

Die Lebensversicherungsprovisionen kommen fast zur Hälfte (67 Mio. Euro nach 55 Mio. Euro ) von der eigenen Lebenstochter – und damit aus dem fondsgebundenen Geschäft. Andere Lebensversicherer zahlten 69 Mio. Euro Provision, ein Rückgang gegenüber den 78 Mio. Euro des Vorjahres. Ein erheblicher Teil der Neugeschäftskosten wird von Rückversicherern vorfinanziert – ein übliches Verfahren bei wachstumsstarken Gesellschaften. Vor allem Gerling Rück, GE Frankona und General Cologne Re sind dazu bereit. Im Jahr 2000 machten diese Vorfinanzierungen etwa 33 Mio. Euro aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


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