Die privaten Krankenversicherer kämpfen mit steigenden Ausgaben für Medikamente

Gestiegene Ausgaben für Medikamente bereiten nicht nur den gesetzlichen Krankenkassen Kopfzerbrechen. Auch die privaten Krankenversicherer (PKV) bezeichnen diesen Bereich inzwischen als Sorgenkind. Denn während die Unternehmen im vergangenen Jahr im Schnitt 2,8 Prozent mehr für Leistungen pro Versicherten ausgaben, lag die Steigerung bei den Arzneimitteln bei satten 8,0 Prozent. Diese Mehrkosten sind nach Überzeugung der Versicherer nicht allein auf die Entwicklung neuer, teurer Medikamente zurückzuführen. Sie vermuten, dass manche Ärzte eine zu lockere Hand beim Verordnen von Arzneimitteln haben. Deshalb wollen die Versicherer die Möglichkeit erhalten, einzelne Rezepte genauer zu prüfen.

Helfen soll dabei die Pharmazentralnummer, die von den Apothekern auf den Rezepten eingetragen wird und eine genaue Zuordnung von Medikamenten zu Patienten erlaubt. Sie ist für die Abrechnung mit dengesetzlichen Krankenkassen bereits Pflicht, die Privaten möchten hier eine Gleichstellung erreichen. „Am besten wäre eine gesetzliche Verankerung“, sagt der Vorsitzende der PKV-Verbands, Peter Greisler.

Im letzten Jahr flossen 9,3 Prozent der ausgezahlten Versicherungsleistungen in den Arzneimittelbereich. Die Ausgaben in der Kranken-und der Pflegepflichtversicherung beliefen sich insgesamt auf 26,6 Mrd. DM, das waren 4,2 Prozent mehr als 1999; ein Teil des Zuwachses resultiert aus der höheren Zahl von Versicherten. Das geht aus dem Rechenschaftsbericht des Verbands hervor. Größter Einzelposten sind die Ausgaben für die Behandlung beim niedergelassenen Arzt. Sie beliefen sich im Jahr 2000 auf 6,2 Mrd. DM, eine Steigerung von 3,2 Prozent pro Versicherten. Da sich die Gebührenordnung für Ärzte nicht verändert hat, unterstellen die PKV-Manager den Medizinern, dass sie durch überhöhte Preise für Privatpatienten den geringeren Geldfluss von den gesetzlichen Krankenkassen kompensieren wollen.

Nach den Vorstellungen der privaten Krankenversicherer sollten Ärzte in Zukunft bei ihren Privatpatienten stärker nach Pauschalen bezahlt werden und nicht wie zur Zeit noch für jede einzelne Leistung. Denn das heutige System verleitet ihrer Überzeugung nach den einen oder anderen Arzt dazu, mehr Leistungen zu erbringen und abzurechnen als medizinisch erforderlich. In den Krankenhäusern werden demnächst Fallpauschalen eingeführt. An deren Entwicklung war der PKV-Verband „intensiv beteiligt“. Allerdings verlieren die Privaten in der Übergangszeit einen bisherigen Wettbewerbsvorteil: Privat Versicherte weisen kürzere Verweildauern im Krankenhaus auf als gesetzlich Versicherte. Wenn pauschal abgerechnet wird, wirkt sich die Verweildauer nicht mehr aus.

Ganz erheblich sind die Ausgaben der Versicherer für Verwaltung und Versicherungsabschlüsse. In die Verwaltung flossen 1,5 Mrd. DM nach 1,4 Mrd. DM im Vorjahr. Für den Abschluss und die Umstellung von Verträgen gaben die Unternehmen unverändert 3,5 Mrd. DM aus, vor allem für Provisionen.

Die gesamten Prämieneinnahmen der PKV-Branche legten im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 40,6 Mrd. DM zu. In der Krankenversicherung erzielten sie Beitragseinnahmen von 36,6 Mrd. DM, das waren 4,4 Prozent mehr als 1999. Die Pflegepflichtversicherung nahm um 2,1 Prozent auf 3,9 Mrd. DM zu. Über die beträchtlichen Erträge aus Kapitalanlagen machte der Verband keine Angaben.

Quelle: Financial Times Deutschland


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