Krankenversicherer gegen Wechselmöglichkeit

Die privaten Krankenversicherer (PKV) bleiben dabei: Auch künftig müssen Kunden, die von einem zum anderen Anbieter wechseln wollen, finanzielle Nachteile in Kauf nehmen. Eine Änderung des heutigen Systems sei weder wünschenswert noch praktikabel. Darauf einigten sich die PKV-Gesellschaften auf ihrer Jahrestagung am Müritz-See.

Damit erteilte der Verband auch Vorschlägen aus den eigenen Reihen, wie sie zum Beispiel Marktführer DKV (Münchener-Rück-Gruppe) entwickelt hatte, eine klare Absage

Während ein Wechsel zwischen gesetzlichen Krankenversicherungen den Versicherten keine Nachteile bringt, kann er in der PKV richtig teuer werden. Denn Privatversicherte können ihre über die Jahre angesparten Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen und müssen bei der neuen Gesellschaft meist deutlich höhere Beiträge zahlen. Seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer, dass gerade ältere und kranke Versicherte damit lebenslänglich an ein Unternehmen gebunden sind.

Die Mitnahme der Alterungsrückstellung würde aber gerade diese Versicherten benachteiligen, argumentieren dagegen die Privatversicherer. „Wird der Wechsel erleichtert, wird der Aufwand für die Gesunden niedriger und für die Kranken höher“, sagte der Vorstandschef der Barmenia Krankenversicherung Josef Beutelmann. Er ist Vorsitzender der „Wechselkommission“ des Verbandes. Zwar hätte der wechselnde Kunde finanzielle Vorteile, sie gingen aber zu Lasten der übrigen Versicherten. Vor allem jüngere und gesunde wechseln gerne, glaubt Beutelmann. Dann müssten die Unternehmen die Folgen der Wechselmöglichkeit bereits bei der Kalkulation ihrer Tarife berücksichtigen, die Prämien für den PKV-Schutz würden damit unweigerlich teurer.

Alle bisher inner-und außerhalb der PKV-Branche zur Problematik entwickelten Modelle sind nach Überzeugung Beutelmanns versicherungsmathematisch nicht durchdacht und nicht umsetzbar. „Solange keine wirkliche Alternative gefunden ist, plädiert die Kommission daher für die Beibehaltung des bisherigen Systems.“ Diese Einschätzung wurde von den Führungsgremien und den Mitgliedern des PKV-Verbands einstimmig unterstützt. Auf wenig Gegenliebe stießen dagegen die Ausführungen des Bamberger Wirtschaftswissenschaftlers Professor Ulrich Meyer. „Ich bin für eine Übertragung der Alterungsrückstellung beim Wechsel innerhalb der PKV und halte sie für möglich und geboten.“ Es könne nicht angehen, dass der Wettbewerb als zentrales Element der Marktwirtschaft in der PKV ausgeschaltet werde. „Der Wechsel in der PKV ist schwieriger und teurer als eine Scheidung“, sagte Meyer.

Er plädiert für das Modell einer individuellen prospektiven Alterungsrückstellung: Bei einem Wechsel nimmt der Versicherte von seinem bisherigen Unternehmen genau den Betrag mit, der voraussichtlich notwendig ist, um seine zukünftigen Krankheitskosten zu decken.

Quelle: Financial Times Deutschland


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