WestLB-Analysten glauben an Allfinanz

Betriebliche Altersvorsorge Hauptgewinner der Rentenreform – „Zeitbomben in Bilanzen entschärfen“. Von Herbert Fromme, Düsseldorf

Die neue Allfinanzgruppe Allianz/Dresdner Bank wird zu den Hauptgewinnern der Rentenreform und des grundlegenden Wandels im System der deutschen Altersvorsorge zählen, glauben die Versicherungsanalysten der Westdeutschen Landesbank (West-LB). Vor allem die betriebliche Altersvorsorge werde in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen, sagte Carsten Zielke, Chef des Analystenteams Versicherungen bei der West LB. „Rund 60 Prozent der Betriebe in Deutschland haben betriebliche Altersvorsorgesysteme. „Davon ist die Hälfte nicht unterlegt“, sagte Zielke bei der Vorstellung einer Studie der Bank zu Versicherungsaktien. Insgesamt hätten die Unternehmen 125 Mrd. Euro Pensionsverpflichtungen, die nicht durch Versicherungen oder andere Instrumente unterlegt seien.

„In vielen Bilanzen deutscher Unternehmen ticken Zeitbomben“, sagte Zielke. „Sie müssen entweder später die Ansprüche reduzieren oder jetzt schon die Systeme auslagern.“ Die Allianz-Versicherungsgruppe und die Dresdner Bank seien in einer ausgezeichneten Position, diese Situation erfolgreich zu nutzen und den Unternehmen geeignete Lösungen anzubieten.

Die WestLB erwartet für den deutschen Lebensversicherungsmarkt mindestens sieben Prozent Wachstum jährlich in den nächsten zehn Jahren. „Die betriebliche Altersvorsorge wird um mindestens 15,1 Prozent pro Jahr wachsen“, sagte Zielke. Die Allianz habe einen Marktanteil von 25,4 Prozent an der betrieblichen Altersvorsorge, weit über ihren 15 Prozent Anteil am gesamten Lebensgeschäft. Der zweitgrößte Anbieter Ergo (Münchener Rück) komme nur auf 11,2 Prozent bei der betrieblichen Altersvorsorge. Die Verbindung mit der Dresdner werde der Allianz den Zugang zu Firmenkunden weiter erleichtern.

Allerdings sei die Allianz/Dresdner-Lösung eine Antwort auf ein spezifisches Problem gewesen. Die WestLB-Analysten erwarten gegenwärtig keine weiteren Großfusionen zwischen Versicherern und Banken. Lediglich zwischen Axa und Deutsche Bank sei die Wahrscheinlichkeit einer „kleinen Kapitalverflechtung“ hoch. Eine Übernahme der Commerzbank durch die Generali oder der HypoVereinsbank durch die Münchener Rück sei nicht sehr wahrscheinlich, hieß es.

Quelle: Financial Times Deutschland


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