Axa macht Ernst mit Mehrpreisstrategie

Der Axa-Colonia-Konzern – künftig nur noch Axa – macht Ernst mit seiner 2000 verkündeten Mehrpreisstrategie. Zusätzlich zur normalen Autoversicherung, im Axa-Jargon „Service-orientiert“ genannt, verkauft er jetzt konzernweit eine günstigere „Eco-Produktlinie“. Risikoträger dafür ist „die Alternative“, eine kleine Gesellschaft, die der Konzern als Teil der Albingia-Gruppe übernommen hatte. Zunächst werden Autoversicherungen mit zwei Preisen angeboten, andere Sparten sollen folgen. Das teilte die Axa in ihrem Halbjahresbericht mit.

Die Mehrpreisstrategie ist nicht unumstritten: Marktführer Allianz hält offiziell an dem Prinzip fest, dass ihre Policen überall dasselbe kosten – um die Vertreterschaft zu schonen. Axa-Chef Claus-Michael Dill nimmt solche Rücksichten nicht. Er ist der festen Überzeugung, dass im hart umkämpften Schaden-und Unfallgeschäft für Privatkunden der Preis zunehmend wichtiger wird. Ohnehin sollen sich die Vertreter mehr auf das Vorsorgegeschäft konzentrieren.

Die Axa konnte im ersten Halbjahr ihre Einnahmen in Deutschland um 3,2 Prozent auf 7,05 Mrd. DM steigern. Vor allem die junge Krankenversicherung wuchs kräftig um 14,3 Prozent auf 576 Mio. DM. Im größten Geschäftsbereich Schaden-und Unfall legte die Axa um 3,5 Prozent auf 3,93Mrd. DM zu, weil die Preise für Autoversicherungen erhöht wurden. Der Schadenaufwand blieb dagegen konstant, deshalb erfreut sich die Axa an einer um 2,3 Punkte auf 71,9Prozent verringerten Schadenquote.

Die Lebensversicherungen der Gruppe legten um 1,8 Prozent auf 2,30 Mrd. DM Prämien zu. Die größte Lebensgesellschaft Axa Colonia Leben musste einen Rückgang im Neugeschäft um 23,5 Prozent hinnehmen. Der Vorstand begründete das mit Sondereffekten: In den ersten Monaten 2000 habe man noch Geschäft aus dem Boom-Jahr 1999 abgearbeitet. Bereinigt sei das Neugeschäft um 24,3 Prozent gestiegen. Die Prämieneinnahmen fielen um 1,5 Prozent auf 1,8 Mrd. DM. Die Axa Colonia Leben leidet unter der Börsenlage: Das Kapitalanlageergebnis sank um 20,9 Prozent auf 1,2 Mrd. DM, vor allem wegen niedrigerer Aktienkurse und höherer Abschreibungen.

Den hohen Konzerngewinn von 401 Mio. DM aus dem Vorjahr werde man in 2001 nicht wiederholen können, einmal wegen der Kapitalmarktentwicklung, vor allem aber, weil die hohe Summe für 2000 nur durch die steuergünstige Auflösung von Gewinnrücklagen möglich war.

Quelle: Financial Times Deutschland


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