Hohe Schäden und schwacher Aktienmarkt treffen Versicherer

Düstere Prognosen beim Jubiläum des Aufsichtsamts. Von Herbert Fromme, Bonn

Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) erwartet negative Konsequenzen der schwachen Kapitalmarktentwicklung für die Versicherer. „Da kommt sehr bald viel auf uns zu“, sagte Präsident Helmut Müller beim Festakt zum hundertjährigen Bestehen des BAV.

In den letzten Jahren haben die meisten Gesellschaften Verluste im eigentlichen Versicherungsgeschäft hingenommen, um Marktanteile zu halten oder auszubauen. Mit dem Verkauf von Aktien konnten sie so viel verdienen, dass sie dennoch einen Gesamtgewinn ausweisen konnten. Die Talfahrt an den Börsen nimmt ihnen diese Möglichkeit.

Nur vier Stunden nach Müllers Rede musste die Württembergische und Badische Versicherungs-AG (Wüba) in Heilbronn per Ad-hoc-Mitteilung vor einem möglichen Bilanzverlust wegen des schlechten Kapitalanlageergebnisses warnen. Die Wüba steht damit nicht allein.

Bernd Michaels, Chef der Provinzial Düsseldorf und Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), warnte angesichts der Ereignisse in den USA vor einer Reduzierung des Eigenkapitals und der Reservekraft von Versicherern. „Es wäre grob fahrlässig, nicht anzunehmen, dass sich ähnliches hier und heute wiederholen könnte“, sagte er. Die Ereignisse in den USA hätten weit reichende Auswirkungen auf Risikoanalyse, Wettbewerb, Kapazität und Höhe des angemessenen Eigenkapitals.

Michaels wandte sich gegen Analystenmeinungen, nach denen Versicherer zu viel Eigenkapital hätten. Das Eigenkapital habe bei Versicherern eine andere Funktion als in den übrigen Wirtschaftsbereichen, sagte er.

Der GDV-Präsident bekräftigte seine Skepsis gegenüber der geplanten Zusammenlegung der Versicherungsaufsicht mit den Banken-und Wertpapieraufsichten zur künftigen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. „Die Aufsichtsziele bei Banken und Versicherungen sind verschieden“, sagte Michaels. Die Versicherer würden darauf achten, dass es bei der von der Bundesregierung angekündigten rein organisatorischen Zusammenlegung bleibe und die inhaltliche Arbeit sich nichtändere.

Barbara Hendricks, Parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Finanzministerium, verteidigte die Zusammenlegung. Die Bedenken könnten im Gesetzgebungsverfahren sicherlich ausgeräumt werden. Die neue Bundesanstalt werde als Doppelsitz Bonn und Frankfurthaben. Die erst im vorigen Jahr aus Berlin an den Rhein umgezogenen Versicherungs-und Bankenaufseher würden in Bonn bleiben.

Quelle: Financial Times Deutschland


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