Lebensversicherungsrenditen stehen stark unter Druck

Unternehmen erwirtschaften deutlich weniger. Von Herbert Fromme, Köln

Die Lebensversicherer haben zunehmend Schwierigkeiten, die gewohnten hohen Nettorenditen für ihre Kunden zu erwirtschaften. Gleichzeitig ist die Reservekraft vieler Gesellschaften dramatisch zusammengeschmolzen, so eine Analyse des Branchendienstes Map-Report.

Der Map-Report hat die Nettorenditen aus den Kapitalanlagen für die Jahre 1999 und 2000 und die Reservekraft untersucht. Wie viele Monate, so die Frage, reichen die Reserven zur Finanzierung der Überschussbeteiligung, wenn tatsächlich nur rund fünf Prozent erwirtschaftet werden?

Paradebeispiel für die turbulente Entwicklung sei die Hannoversche Leben: Sie wies 2000 nur noch eine Nettorendite von 5,20 Prozent nach 7,06 Prozent im Vorjahr aus. Ihre Reserven reichen nur noch 13 statt 27Monate. Ohne Reserveauflösung dürfte die Hannoversche in 2000 selbst den bisherigen garantierten Zins von vier Prozent (der inzwischen auf 3,25 Prozent gesenkt wurde) „nur mit Mühe“ erreicht haben, heißt es beim Map-Report. Auch bei anderen Gesellschaften habe der Kapitalmarkt seine Spuren hinterlassen: Die Nettorendite derÖffentlichen Leben Berlin-Brandenburg stürzte von 9,58 auf 5,86 Prozent ab, HDI Leben von 8,70 auf 5,61 Prozent.

Lebensversicherer glätten in ihren Nettorenditen die Schwankungen des Kapitalmarkts, das ist eine ihrer Stärken. Wenn die Märkte sich gut entwickeln, bauen sie hohe Bewertungsreserven auf – das heißt, Aktien und andere Papiere im Portefeuille sind am Markt dann mehr wert, als sie ursprünglich gekostet haben. In Zeiten, in denen sie aus ihrer normalen Anlage niedrigere Renditen erzielen, lösen die Unternehmen stille Reserven auf, um damit die Nettorendite hoch zu halten.

Wer allerdings seine Kunden immer zeitnah am Investmenterfolgbeteiligt, hat weniger Reserven. Der Einbruch der Aktienmärkte reduziert sie noch weiter, da kann es für manche Gesellschaft eng werden.

Zur Zeit stehen deshalb die Gesellschaften besser da, die weniger erwirtschaftete Gewinne an die Kunden ausgeschüttet, sondern lieber hohe Reserven angelegt haben. Dazu gehören Hamburg-Mannheimer, Victoria, Volksfürsorge und Allianz. Allerdings ging diese Politik zu Lasten der Marktanteile, denn Verbraucherzeitschriften und Ratings (wie auch der Map-Report) haben vor allem hohe Nettorenditen belohnt, nicht die Stärkung der Reserven.

Doch könnten auch die hohen Bewertungsreserven mancher Gesellschaft wenig nutzen – mit dem Abwärtstrend des Dax schmelzen auch sie dahin.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import