McKinsey fordert umfassende Änderungen bei Versicherern

„Schon vor dem 11. September war die Expansion am Ende“ McKinsey & Co

Die großen europäischen Versicherer werden schwere Probleme haben, die aus den letzten Jahren gewohnten Zuwächse bei Umsatz und Gewinn aufrecht zu erhalten, wenn sie im operativen Geschäft nicht grundlegende Änderungen vornehmen. Das erklärt das Beratungsunternehmen McKinsey.

Mit der Studie über europäische Versicherer verfolgt McKinsey natürlich auch eigene Interessen. Schließlich lebt das Consulting-Unternehmen von der Beratung bei weit reichenden Umbauten von der Art, wie sie angemahnt werden. Dennoch sind die Ergebnisse erwähnenswert.

Die großen Versicherer haben in den letzten Jahren vor allem durch Übernahmen zugelegt und nicht durch organisches Wachstum. „Gestützt auf den Börsenboom, vor sich eine Reihe von großen, reifen Übernahmekandidaten, und angetrieben vom Deregulierungsklima konnten die jeweiligen nationalen Marktführer sowohl beim Umsatz wie beim Gewinn Jahr für Jahr zulegen“, schreiben die Autoren Michael Ollmann und Ulf Redanz. „Schon vor den katastrophalen, tragischen Ereignissen des 11. Septembers näherte sich diese überschäumende Expansion ihrem Ende.“

In den Jahren 1994 bis 1999 erreichten die führenden europäischen Versicherer Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent – fast ausschließlich durch Übernahmen. In der selben Zeit wuchs der gesamte Sachversicherungsmarkt nur um 2,1 Prozent.

Bei fast allen Versicherern ging in den letzten Jahren der Gewinnbeitrag aus der Versicherungstechnik, dem eigentlichen Versicherungsgeschäft, zurück. Änderungen in der Solvabilität, also dem Grad der Kapitalausstattung im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen, hatten oft einen viel größeren Einfluss auf die Gewinnentwicklung als das operative Versicherungsgeschäft, so McKinsey. Außerdem verließen sich die Versicherer immer mehr auf Erträge aus Kapitalanlagen zur Gewinnsteigerung. „Diese Party ist vorbei“, behaupten die Autoren. Probleme an den Aktienmärkten und stagnierende Wachstumszahlen in den eigenen Sachversicherungsmärkten kommen zusammen mit unverändertem Druck auf den Preisen, außer für bestimmte Industrie-und Gewerbedeckungen. „In dieser Situation muss jeder Kompositversicherer seine spezifischen Kompetenzen finden“, heißt es. Beispiele: Zürich verkauft Scudder und bringt seinen Rückversicherer an die Börse. Generali hat sich aus bestimmten Rückversicherungsaktivitäten zurückgezogen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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