Versicherer fürchten Rekordschaden

Die Versicherungsbranche rechnet mit Schäden in Milliardenhöhe als Folge der Terrorangriffe in New York und anderen US-Städten, die Tausende von Menschenleben kosteten. Viele Versicherer sind unmittelbar betroffen, weil sie Büros im World Trade Center (WTC) hatten. „Wir machen uns große Sorgen um 400 Mitarbeiter in den Gebäuden“, sagte ein Sprecher der Allianz. Sie sind bei der US-Tochter Firemen’s Fund beschäftigt. Zu den finanziellen Auswirkungen könne er noch nichts sagen. „Wir werden uns an Spekulationen nicht beteiligten.“

Auch die Swiss Re erklärte, es sei zu früh für Schadenschätzungen. Ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück sagte, die in der Nähe des WTC liegenden Büros der Tochtergesellschaft American Re seien nicht getroffen worden. Beim Versicherungsschaden sei es „viel zu früh für Einzelheiten“. „Die Schadenbelastungen für uns können erheblich sein“, sagte der Sprecher. Das Unternehmen habe aber durch eigene Schutzdeckungen bei anderen Rückversicherern und durch hohe Reserven für Schäden selbst in dieser Dimension Vorsorge getroffen. „Die Finanzkraft der Münchener Rück steht nicht in Frage.“

Bei der Hannover Rückversicherung herrschte Entsetzen, sagte ein Sprecher. „Natürlich wird das sehr teuer für die großen Rückversicherer der Welt.“

Auf die globale Versicherungsbranche kommt wohl der höchste Gesamtschaden in ihrer Geschichte zu. Bisher war der schlimmste Schaden der Hurrikan Andrew, der 1992 über den USA und den Bahamas tobte. Er kostete die Versicherer 19,7 Mrd.$ nach heutigen Werten, 38 Menschen starben.

An den Aktienmärkten gerieten die Werte großer Versicherungs-und Rückversicherungsunternehmen durch Verkäufe unter Druck. Die Aktien der Münchener Rück sackten in Frankfurt bis kurz vor Schluss 15,6 Prozent auf 230,61 ab. Allianz fielen 13,7 Prozent auf 228. In Paris gaben AXA 13,3 Prozent auf 22,89 nach. In Zürich brachen die Aktien des Rückversicherers Swiss Re um 17,3 Prozent auf 126,50 Schweizer Franken ein, Zurich Financial Services um 12,6 Prozent auf 362 Schweizer Franken.

Risikobauten wie das World Trade Center werden in der Versicherungsbranche durch Rückversicherung und Mitversicherung auf viele Unternehmen weltweit verteilt.

Das Gebäude gehört der Port Authority of New York and New Jersey, wurde aber im Juli 2001 auf 99 Jahre für 3,2 Mrd. $ an die Immobilienunternehmen Silverstein Properties und Westfield America verpachtet. Der Komplex ist gegen Feuer und Explosionen versichert. Als das WTC 1993 schon einmal Ziel eines terroristischen Bombenangriffs war, betrug die Versicherungssumme für Sachschäden 600 Mio. $. Sie dürfte inzwischen deutlich höher liegen und mindestens dem Wert des Pachtvertrages entsprechen. Dazu kommen Riesenschäden an benachbarten Häusern und an Gebäuden in Washington. Noch viel teurer wird die Betriebsunterbrechungsdeckung. Sie ersetzt den hochkarätigen Investmentbanken und anderen Firmen, die in den Gebäuden Büroräume hatten, den entgangenen Verdienst. Dies wird viele Milliarden Dollar kosten.

Weil die Zerstörungen mit Hilfe von Zivilflugzeugen angerichtet wurden, können die betroffenen Gebäude-und Betriebsunterbrechungsversicherer ihrerseits Schadenersatz von den Luftfahrtversicherern fordern. Mit einem Flugzeug angerichtete Schäden gegen Dritte sind auch dann versichert, wenn dieses entführt wurde. Die Luftfahrtversicherer werden außerdem mit Ansprüchen von Verletzten und Angehörigen von Todesopfern, die in den Gebäuden oder im Flugzeug zu Schaden kamen, konfrontiert werden. Wenn Versicherungsschutz besteht, ersetzen sie auch die Flugzeuge. Allerdings gibt es Obergrenzen, bis zu denen sie zahlen müssen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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