Versicherungsmakler für Preiserhöhungen

Diedeutschen Versicherungsmakler unterstützen die Preiserhöhungen in der Industrie-und Gewerbeversicherung, auch wenn sie die Form der harten Sanierung durch manche Versicherer bedauern. „Der Markt hat sich fundamental gedreht“, sagte Leberecht Funk, Chef der Hamburger Maklerfirma Funk und designierter Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler (BDVM). Im Gewerbe-und Industriegeschäft, auf das rund 30 Mrd.DM des deutschen Versicherungsmarktes von 255 Mrd.DM entfallen, habe der Käufermarkt einem Verkäufermarkt Platz gemacht. „Hofierte Starkunden mutieren zum Bettelkunden.“

Brachiale, zum Teil pauschal vorgenommene Preiserhöhungen von manchmal 60 Prozent bedeuteten eine Herausforderung für die Makler, die neue Lösungen für die Kunden finden müssten. Im Grundsatz seien Preiserhöhungen aber nötig. „Die Prämien waren nicht risikogerecht“, sagte Funk.

Anders als Versicherungsvertreter oder Vertriebe im Privatkundenmarkt wie AWD oder DVAG vermitteln die BDVM-Makler in erster Linie Industrie-und Gewerbegeschäft. Auch sie leben vor allem von Provisionen, die sich oft um 15 Prozent der Prämie bewegen. Der Preisverfall der letzten Jahre führte zu einem scharfen Einbruch bei den Einnahmen.

Funk schonte die Assekuranz nicht. Die niedrigen Preise seien hausgemacht von den Versicherern, „getrieben von maßlosen Ambitionen, Marktanteile gerade in diesem Geschäftsfeld hinzuzugewinnen“.

Um künftig mehr Gehör in Berlin und Brüssel zu finden, will sich der BDVM zum Jahresende mit dem konkurrierenden Versicherungsmakler-Verband (VMV) in München zusammenschließen. Der neue Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) hätte dann 560 Mitglieder, vor allem große und mittlere Unternehmen. Die strikten Aufnahmekriterien, vor allem die Anforderungen an die Beratungsqualität und die Haftpflichtversicherung der Mitglieder, sollen beibehalten werden.

Die Mitglieder des neuen Verbandes kommen zusammen auf rund 11 Mrd.DM vermitteltes Prämienvolumen in der Schaden-und Unfallversicherung und 10 Mrd.DM in der Lebensversicherung – so eine grobe Schätzung des BDVM-Geschäftsführers Christoph Keil. Denn genaue Zahlen gibt es nicht. Anders als die meisten Finanzdienstleister scheuen die Makler mit ihren Zahlen die Öffentlichkeit. Weder führen die beiden Verbände eine Statistik über ihre Umsätze, wie das Versicherer, Fondsvertriebe und Banken tun, noch veröffentlichen die Maklerfirmen selbst ihre Zahlen. Die Marktführer Aon Jauch und Hübener und Marsh McLennan, die beide großen US-Häusern gehören, zeigen keine separaten Zahlen zu ihrem deutschen Geschäft, noch schweigsamer sind die anderen Maklerfirmen. Wie das stärkere berufspolitische Engagement ohne mehr Offenheit gelingen soll, bleibt das Geheimnis der Branche.

Der neue Verband will sich verstärkt gegen die von den Maklern beklagten Diskriminierungen im deutschen Recht wenden. Das Rechtsberatungsgesetz verbietet ihnen, für einen Kernbestandteil ihrer Tätigkeit, die Risikoberatung, Gebühren zu berechnen. „Nur wenn es zum Versicherungsabschluss kommt, verdient der Makler“, sagte der ausscheidende Verbandschef Jochen Scheele von Aon Jauch und Hübener. Diese Tätigkeit mache aber weniger als 20 Prozent der Tätigkeit aus.

Bei der Vergabe öffentlicher Versicherungsaufträge leiden die Makler darunter, dass sie für Kommunen keine Ausschreibungen organisieren dürfen. Die Makler verlangen eine entsprechende Änderung der Vergabeordnung.

Ganz oben auf ihrer Tagesordnung steht auch die Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie in deutsches Recht. Die Bundesregierung ist eigentlich gegen eine Reglementierung des Zugangs zum Maklerberuf und will die EU-Richtlinie entsprechend weich umsetzen. Die Makler verlangen klare Standards und Qualifikationen, um die „Pseudomakler“ – die in Wirklichkeit nicht objektiv berieten – aus dem Berufsstand herauszuhalten. „Wir wollen den Sumpf über geschützte Zugänge zum Beruf austrocknen“, sagte Keil.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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