Deutsche Transportversicherer verzichten auf Kündigungen

„Wir wollen den Markt nicht beunruhigen“ Transportversicherer Franz-Rudolf Golling Deutsche Transportversicherer versuchen, sich trotz der militärischen Auseinandersetzung in Afghanistan vom internationalen Trend zur Kündigung von Verträgen auf Grund der höheren Gefährdung abzukoppeln. „Wir wollen den Markt nicht unnötig beunruhigen“, sagte Franz-Rudolf Golling, Vorstand der Wüba Versicherung und Vorsitzender des Transport-Ausschusses im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Es gibt eine Tendenz des Londoner Marktes zur Kündigung der Deckungen und kräftigen Preiserhöhung, wenn Schiffe und Ladungen in die Krisenregion gehen“, sagte Golling. Das wollten deutsche Versicherer zumindest vorerst nicht mitmachen. Auch von den Rückversicherern gehe bisher nur mäßiger Druck aus.

Die Zurückhaltung könnte vor allem Exporteuren und Importeuren nutzen, die mit dem Nahen Osten und dem indischen Subkontinent Geschäfte machen und sich im heimischen Markt versichern. Die deutschen Transportversicherer sind vor allem in der Warenversicherung stark. In der Schiffsversicherung spielen sie dagegen kaum eine Rolle.

Höhere Transportkosten kann aber auch die Zurückhaltung der deutschen Assekuranz nicht verhindern. Dafür sorgen allein die teuren Zusatzdeckungen für die Schiffe. So erheben die Reedereien für Ladung nach Israel schon seit dem 27. September einen Zuschlag von 150 $ pro Standardcontainer.

Im Londoner Markt, dem Zentrum der Schiffsversicherung, haben die Transportversicherer damit begonnen, saftige Preiserhöhungen durchzusetzen. Oft üben sie vertraglich vereinbarte Sonderkündigungsrechte für den Krisenfall aus und bieten dannfrische Deckungen zu deutlich höheren Preisen an. Für die Kasko-Versicherung des Schiffs und der Maschine muss ein Reeder künftig oft das sechs-bis achtfache der alten Versicherungsprämie zahlen, die vor den Terrorüberfällen vom 11. September galt.

Die Reeder von Kreuzfahrtschiffen werden besonders drastisch zur Kasse gebeten. Hier addieren sich Kaskoprämien, Kriegsrisikozuschläge und Haftpflichtdeckungen zu zweistelligen Millionenbeträgen. Für Tanker werden inzwischen Zuschläge von bis zu 1 Mio. $ in der Kaskoversicherung verlangt – für eine Reise in den Nahen Osten von sieben Tagen. Die exportierende Industrie, die im European Shippers Council zusammengeschlossen ist, hat die EU-Kommission aufgefordert, die gleichzeitige Vorgehensweise der Londoner Kriegsrisikoversicherer zu untersuchen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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