Hamburger Klinikbetreiber wird privat

Am Kauf der größten deutschen Krankenhauskette LBK sind Rhön-Kliniken interessiert. Von Herbert Fromme und Ilse Schlingensiepen, Köln

Der Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg (LBK), mit 1,4 Mrd. DM Umsatz einer der größten Krankenhausbetreiber der Republik, bereitet sich auf seine Privatisierung vor. Nach Informationen der Financial Times Deutschland finden Gespräche mit einer Reihe von Banken statt, darunter der Deutschen Bank, der DG Bank und der WestLB, um erfolgversprechende Konzepte zu entwickeln. Zu den Interessenten gehören die privaten Rhön-Kliniken.

Die neue Hamburger Regierung plant laut Koalitionsvereinbarung die Privatisierung des stadteigenen Konzerns oder einzelner Teile. „Das Thema Privatisierung stand bei uns sowieso an“, sagte Vorstandssprecher Heinz Lohmann. Der Prozess dürfe nicht zu lange dauern. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl werde sich die Liberalisierung des Krankenhausmarktes beschleunigen. Lohmann: „Bei einer weiteren Deregulierung wird es für private Betreiber unattraktiv, sich in bestehende Kliniken einzukaufen.“

Nach Marktschätzungen hat der LBK einen Wert von 2,5 bis 3 Mrd. DM. Private Klinikbetreiber und institutionelle Anleger haben schon länger Interesse an dem Unternehmen. Allerdings gibt es eine beträchtliche Altlast, für die das Management kaum verantwortlich gemacht werden kann. Bei der Umwandlung des LBK in eine Anstalt öffentlichen Rechts 1995 teilte Hamburg dem Betrieb 9000 Rentner zu, die er zu versorgen habe – ohne Rücklage.

Die Bilanz weist ein Defizit von 270 Mio. DM aus. „Ohne die Rentenzahlungen hätten wir ein Plus von 200 Mio. DM“, sagte Lohmann. Der Betrieb habe in den vergangenen sechs Jahren sein Kostensenkungspotenzial voll ausgeschöpft.

Mit dem Verkauf von Anteilen könnte der Eigner die nötigen Mittel einnehmen, um die Rentenzahlungen in eine separate Lösung wie einen Fonds zu überführen. Der Schritt würde dem LBK den nötigen finanziellen Freiraum für die Fortsetzung des 1995 begonnenen Modernisierungs-und Rationalisierungskurses verschaffen. 2006 hätte der Konzern seine Bilanzdefizite ausgeglichen und könnte Eigenkapital aufbauen, schätzt Lohmann. Ein Börsengang des LBK könnte mittelfristig eine „interessante Perspektive“ sein, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


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