Münchener Rück ist für Staatsdeckung

Pool soll Terrorismusschäden absichern-ABC-Risiken und Raketenbeschuss werden ausgeschlossen. Von Herbert Fromme, Köln

Die Münchener Rückversicherung, mit einer Rückversicherungsprämie von 18 Mrd. Euro in 2000 einer der Marktführer, kann sich eine staatlich abgesicherte Pool-Lösung der Assekuranz bei Terrorismusschäden vorstellen. Das sagte Vorstandsmitglied Christian Kluge der Financial Times Deutschland. „Es gibt im Markt zunehmend die Auffassung, dass der Staat eingreifen muss“, sagte Kluge. „Da ist auch etwas dran. Wir warnen aber davor, den Staat zu früh ins Boot zu holen.“

Bei einem solchen Pool könnten Versicherer und Rückversicherer mit festgelegten Anteilen Terrorismusschäden bis zu einer klar definierten Obergrenze zahlen. „Was darüber anfällt, müsste der Staat decken.“ Eine ähnliche Lösung sei schon für Atomkraftwerke gefunden worden. „Ein Terror-Pool müsste deutlich höher gehen in der Deckung, das müssten eigentlich mehrere Milliarden Mark sein“, sagte Kluge.

Nach den Terrorangriffen in den USA vom 11. September diskutiert das Management der Münchener Rück zurzeit die Konsequenzen für das Unternehmen. Kluge erwartet, dass die Rückversicherung von Risiken im Privatkunden-und Gewerbebereich die wenigsten Veränderungen spürt. Wo die Grenze zum Industriegeschäft liegt, hat der Rückversicherer aber noch nicht definiert, Zahlen von 50 Mio. Euro bis 100 Mio. Euro versicherte Summe stehen im Raum.

„Unterhalb dieser Grenze, glauben wir, wird der Terrorismus kaum eine Rolle spielen“, sagte Kluge. Es gebe allerdings zwei Einschränkungen. „Schon bisher haben wir Schäden durch Nuklearangriffe ausgeschlossen. Künftig werden wir auch Schäden aus biologischen und chemischen Waffen ausschließen.“ Neben dem ABC-Ausschluss will die Münchener Rück auch Raketenbeschuss nicht mehr versichern.

Bei den wenigen Größtrisiken, vor allem den sehr großen Konzernen, möchte die Gesellschaft das Geschäftsmodell ändern. Bisher beteiligt ein Erstversicherer die Münchener Rück oft automatisch über Rückversicherungsverträge. „Wir wollen dieses Geschäft nur noch fakultativ, also per Einzelentscheidung von Fall zu Fall zeichnen“, sagte Kluge.

Insgesamt müssten die Preise drastisch steigen, völlig unabhängig vom Terrorismusproblem. In den letzten Jahren sei der Return on Equity für die Münchener Rück „ziemlich mäßig“ gewesen. Die Schwäche einiger Mitbewerber nach dem 11. September zeige, was ein Rückversicherer mit Triple-A-Rating wert sei.

Quelle: Financial Times Deutschland


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