Zurück in die Heimat

Schon einmal war ein hohes politisches Amt für Peiner in greifbare Nähe gerückt. Der frühere Berliner Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen wollte seinen Freund an die Spree holen. Damals ließ der Aufsichtsrat der Versicherungsgruppe Peiner nicht ziehen. Anfang dieses Jahres nahm er erneut Anlauf. Der promovierte Betriebswirt beriet Hamburgs künftigen Bürgermeister Ole von Beust während des Wahlkampfs in wirtschaftspolitischen Fragen. Er ist seit vierzig Jahren Mitglied der CDU, zwischen 1978 und 1984 war er Mitglied der Bürgerschaft und unter anderem Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Die Mühe zahlt sich aus. Am 31. Oktober soll Peiner Finanzsenator werden.Der Versicherungsmanager ist gelernter Speditionskaufmann, er machte sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Peiner studierte als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, deren Schatzmeister er heute ist und war Finanzreferent des Asta.

Der examinierte Wirtschaftsprüfer war sieben Jahre Geschäftsführer der Otto-Gruppe, zu der auch der Otto-Versand gehört. Anschließend ging er zur Gothaer-Gruppe, die 1997 mit der Berlin-Kölnischen zur Parion fusionierte. Sein Abschiedsgeschenk ist zweifellos die wichtige Umstrukturierung von Parion, die im vergangenen Monat abgeschlossen wurde und den Gegenseitigkeitsverein kapitalmarktfähig machte. Die neue Struktur könnte zum lange gesuchten Modell für deutsche Versicherungsvereine zur so genannten Demutualisierung werden, zur Umwandlung ihrer Rechtsform in eine Aktiengesellschaft. Peiner hört das Wort Demutualisierung nicht gerne, sondern nennt die neue Struktur lieber eine Weiterentwicklung des Gegenseitigkeitsgedankens. Immerhin ist er auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Gegenseitigkeitsvereine.Peiner kann äußerst charmant und verbindlich sein. Dennoch ist er unbeliebt bei manchen Mitarbeitern wegen seines eher robusten Umgangs mit Angestellten und seiner gelegentlich einsamen Art der Beschlussfindung. In den Niederungen der Haushaltspolitik von Stadtstaaten kennt sich Peiner bereits einigermaßen aus. Zum einen wegen seiner Hamburger Erfahrungen, zweitens auf Grund seiner Rolle als Aufsichtsrat der in heftige Turbulenzen geratenen Bankgesellschaft Berlin, an der die Parion noch 2,11 Prozent hält. Bei der Kölner Versicherungsgruppe ist die Belegschaft auf den Nachfolger gespannt. Viele tippen auf Werner Görg. Er war früher Vorstandsvorsitzender der Gothaer Rück und ist seit Anfang des Jahres Chef der Gothaer Versicherungsbank – der größten Sachversicherung der Gruppe.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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