Allianz Leben senkt die Gewinnbeteiligung für Kunden

Von Herbert Fromme, Köln Die Allianz Lebensversicherung senkt die Überschussbeteiligung für ihre Kunden von bisher 7,5 Prozent um 0,7 Punkte auf 6,8 Prozent. Damit zieht auch der Marktführer Konsequenzen aus dem Rückgang der Aktienkurse und den niedrigeren Zinsen. Es wird kaum einen Lebensversicherer geben, der diesem Beispiel nicht folgt. Allerdings wird die Höhe der Überschussbeteiligung von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich aussehen. Mancher Versicherer, zum Beispiel die Hannoversche Leben, kann nur fünf Prozent bieten. Die Allianz hat schon lange hohe Aktienbestände und deshalb viel mehr Luft als die meisten Konkurrenten.

Diesen Wert nutzen die Lebensversicherer auch für Hochrechnungen und Beispielskalkulationen, die ihre Vertreter im Verkaufsgespräch verwenden. Deshalb ist die Überschussbeteiligung von großer Bedeutung im Konkurrenzkampf – gerade jetzt, wo der große Riester-Kuchen zu verteilen ist.

Die Entwicklung der Kapitalmärkte hat auch die Allianz Leben heftig gebeutelt. Damit sie trotzdem vergleichsweise hohe Überschussbeteiligungen gutschreiben kann, muss die Allianz Leben Aktien und andere Papiere verkaufen und damit stille Reserven heben.

Wegen dieser Auflösung und wegen der fallenden Aktienmärkte sind die stillen Reserven – die Differenz zwischen Buchwert und Marktwert ihrer Kapitalanlagen – auf elf Prozent der gesamten Kapitalanlagen gefallen. Anfang 2000 waren es noch 21 Prozent. Die Allianz will für das Jahr 2001 die von der Bundesregierung geschaffene Möglichkeit nutzen, Wertverluste bei Aktien und Fonds nicht sofort als Abschreibungen zu buchen. „Wir werden das vor allem bei Fonds tun“, sagte Finanzvorstand Maximilian Zimmer. Die so entstehenden „stillen Lasten“, nicht realisierte Verluste, will die Allianz im Anhang zur Bilanz detailliert ausweisen.

Zimmerer sagte, in Anbetracht der gesunkenen Erträge bei festverzinslichen Papieren und der Verluste bei Aktien und Investmentfonds sei die Lebensversicherung eines der rentabelsten Anlageprodukte.

Verbraucherschützer sehen das nicht ganz so euphorisch. Hans Dieter Meyer vom Bund der Versicherten weist darauf hin, dass die Renditezusagen sich auf die Verzinsung des so genannten Deckungskapitals beziehen. „Das Deckungskapital ist nach wie vor bei fast allen Gesellschaften in den ersten zwei Jahren gleich null, also keine Verzinsung, und steigt erst später allmählich an“, erklärte Meyer. Mit den Prämienzahlungen der ersten Monate decken die Unternehmen bei klassischen Lebenspolicen ihre Anfangskosten, vor allem die Provisionen. „Durch die Verzinsung des Deckungskapitals mit 6,5 Prozent wird keine Ablaufrendite von 6,5 Prozent erreicht, sondern von 5 Prozent und weniger“, sagte Meyer.

Zitat:

„Lebensversicherungen gehören zu den rentabelsten Anlagen“ – Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand Allianz.

Quelle: Financial Times Deutschland


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