AWD kauft Vertrieb in Großbritannien hinzu

Von Herbert Fromme, Köln Der Finanzvertrieb Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) in Hannover hat die britische Thomson’s Financial Planning Consultants in Manchester übernommen. Bei Thomson’s handelt es sich um einen so genannten Independent Financial Advisor (IFA) mit 21 Büros und 140 Beratern. AWD zahlt nach eigenen Angaben weniger als 51 Mio. Euro. Ein Teil des Preises wird mit 75 000 AWD-Aktien mit zweijähriger Verkaufssperre abgegolten, ein weiterer Teil nach Vorlage der geprüften Abschlüsse 2001 gezahlt, der Rest durch eine ertragsabhängige Vergütung über drei Jahre. Douglas Gardner bleibt Chef der 1997 nach einem Management-Buyout gegründeten britischen Gesellschaft.

Thomson’s erzielte im Geschäftsjahr 2000/2001, das am 30. September endete, einen Umsatz von 31,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsertrag und Steuern betrug 2,9 Mio. Euro. Mit durchschnittlich 228 000 Euro Provisionseinkommen pro Berater gehört die Firma zu den sehr produktiven IFAs.

Eine Stärke liegt im Bereich betriebliche Altersvorsorge, der über die Abteilung Thomson’s Benefit Consultants betrieben wird. Nach mehreren Übernahmen in den vergangenen Jahren zählt Thomson’s zu den zehn größten IFAs in Großbritannien.

Besonders attraktiv dürften für AWD-Chef Carsten Maschmeyer die hohen Wachstumsraten von durchschnittlich 45 Prozent in den vergangenen Jahren gewesen sein, die Thomson’s einschließlich der Übernahmen erzielte. Das hilft ihm, seine eigenen ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen. Ein Kernproblem des AWD bleibt aber auch nach der Übernahme bestehen: Er sitzt auf zu viel Geld. Beim Börsengang im Oktober 2000 waren rund 1,05 Mrd. DM in die Kasse gekommen, die Gruppe verfügt über liquide Mittel von 1,13 Mrd. DM. Der Kauf von Thomson’s ändert daran nur wenig. In Deutschland haben sich bisher alle Versuche Maschmeyers, größere Vertriebe zuzukaufen, zerschlagen. Fünf kleinere Vertriebe wurden in den letzten Jahren übernommen. „An kleinen Organisationen haben wir zur Zeit kein Interesse“, sagt Maschmeyer.

Ärger hat der Vertrieb mit der Justiz. In zwei Fällen wurde der AWD am 9. und 16. November zu Schadenersatz wegen des Verkaufs von Papieren des so genannten Dreiländerfonds (DLF 94/17) verurteilt, weil die Vertreter beim Verkauf nicht auf bereits bekannte Risiken hingewiesen hatten. Der AWD werde Berufung gegen beide Urteile einlegen, teilte er mit.

Zitat:

„An kleinen Organisationen haben wir kein Interesse“ – Carsten Maschmeyer.

Quelle: Financial Times Deutschland


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