Ergo-Gruppe wächst weitaus schwächer als der Markt

Von Anja Krüger, Köln Die erfolgsverwöhnte Ergo in Düsseldorf, die Erstversicherungstochter der Münchener Rück, wächst in diesem Jahr deutlich schwächer als der Markt. Auch der Jahresüberschuss der zweitgrößten deutschen Versicherungsgruppe – die aus Victoria, Hamburg-Mannheimer, DAS und DKV besteht – fällt wohl magerer aus. Das geht aus dem jetzt vorgelegten Quartalsbericht hervor. Danach muss die Gruppe wegen der Börsenlage auch empfindlich reduzierte Erträge aus Kapitalanlagen hinnehmen.

Die Ergo-Beitragseinnahmen wuchsen in den ersten drei Quartalen zwar um 10,3 Prozent auf 10,2 Mrd. Euro. Verantwortlich dafür ist aber in erster Linie das Auslandsgeschäft. Die Gruppe hat erstmals ihre neu erworbenen Töchter in Italien und Osteuropa voll eingeschlossen. Im Inland konnte sie in den ersten neun Monaten nur um gut zwei Prozent auf 8,3 Mrd. Euro zulegen – deutlich unter Marktschnitt. Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft wird der Gesamtmarkt 2001 um 3,3 Prozent wachsen.

Zufrieden ist Ergo mit dem Einstieg der Töchter Victoria Leben und Hamburg-Mannheimer ins Riester-Geschäft. „Bis zum 30. September haben die Victoria 140 000 und die Hamburg-Mannheimer 85 000 Verträge verkauft“, sagte ein Sprecher. Das Gros der Verträge wird zwar erst zum 1. Januar 2002 beitragswirksam, aber die Vertreter haben vielfach mit den Policen für die private Altersvorsorge auch Berufsunfähigkeitsschutz verkauft. Zahlen dazu wollte das Unternehmen nicht nennen.

Ergo erzielte in den ersten drei Quartalen einen Jahresüberschuss von 203 Mio. Euro. Weil die Gruppe zum ersten Mal Quartalszahlen veröffentlich, gibt es hier keine Vergleichswerte. Die Zahlen für das volle Jahr 2000 zeigen aber, dass Ergo bislang hinter dem Vorjahr liegt. Im vergangenen Jahr betrug der Jahresüberschuss 804,1 Mio. Euro, davon waren 246 Mio. Euro auf steuerliche Sondereffekte zurückzuführen. Das Unternehmen hält sich zurück bei der Gewinnvorhersage für das volle Jahr – eine fundierte Ergebnisprognose sei wegen der Unsicherheit der Kapitalmärkte und der steuerlichen Effekte schwierig. Klar scheint schon jetzt zu sein, dass die Kapitalerträge deutlich niedriger ausfallen. Vor allem die Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und Wertpapieren gehen zurück: Ergo realisierte in den ersten neun Monaten Gewinne und Verluste aus Kapitalanlagen in Höhe von saldiert 732 Mio. Euro. Im gesamten Jahr 2000 hatten sie 3,05 Mrd. Euro betragen. Die laufenden Vermögenserträge bleiben stabil, sie lagen in den ersten drei Quartalen 2001 bei 3,7 Mrd. Euro, im gesamten Vorjahr bei 4,5 Mrd. Euro. Die niedrigeren Aktienkurse führten zu Einbußen beim Marktwert der Kapitalanlagen, die trotz der Zufuhr frischen Geldes in den neun Monaten um 3,1 Prozent auf 85 Mrd. Euro zurückgingen.Euro

Zitat:

„Wir haben 225 000 Riester-Verträge verkauft“ – Ergo-Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


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