Münchener Rück stärkt US-Tochter mit Kapitalspritze

Von Herbert Fromme, Frankfurt Die Münchener Rück stärkt ihre Tochtergesellschaft American Re in Princeton, New Jersey, mit einer Kapitalzufuhr von mehr als 1 Mrd. $. Die kleinere US-Tochter Munich American Reassurance, die sich auf Lebensrückversicherungen spezialisiert hat, wird mit zusätzlichen 80 Mio. $ ausgestattet.

Die American Re soll mit dem frischen Geld die verbesserten Geschäftsaussichten für Rückversicherer nutzen. In den vergangenen Monaten sind die Preise für Rückversicherungsschutz stark angestiegen, vor allem als Folge des Terrorüberfalls auf das World Trade Center. Neue Rückversicherer mit einer Kapitalausstattung von mehr als 15 Mrd. $ sind bereits gegründet worden oder in Vorbereitung. „Die Münchener Rück will den Marktumschwung nutzen und die Geschäftsmöglichkeiten ausweiten“, sagte ein Sprecher. Dabei komme ihr das exzellente Rating zu Gute.

Die 1 Mrd. $ soll aus dem Cashflow über einen Aktiva-Tausch aufgebracht werden. „Statt in Aktien oder Anleihen investieren wir dann in die American Re mit ihren ausgezeichneten Ertragsaussichten“, sagte der Sprecher.

Die Finanzspritze aus München hilft der US-Tochter auch, den hohen Schaden aus dem World Trade Center zu meistern. Die 1996 von den Münchenern übernommene American Re muss brutto – also vor Erstattung von eigenen Rückversicherern – 1,24 Mrd. $ zahlen. Davon hat sie 770 Mio. $ rückgedeckt, einschließlich einer Zahlung von 508 Mio. $, die von der Mutter kommt und nichts mit der Kapitalspritze von 1 Mrd. $ zu tun hat. Netto, also für eigene Rechnung, verbleibt bei der American Re ein Schaden von 474 Mio. $. Auch der Wirbelsturm Allison und andere Naturereignisse machten sich in hohen Schadenzahlungen von 52 Mio. $ bemerkbar.

In den ersten neun Monaten musste die American Re einen Verlust nach Steuern von 496 Mio. $ hinnehmen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Defizit 23 Mio. $ betragen. Zum Rekordverlust trugen aber nicht nur die aktuellen Schäden bei: Der Rückversicherer verstärkte auch die Reserven für Schäden aus früheren Jahren um 213 Mio. $. Offenbar beurteilt die Münchener Rück nach den jüngsten Erfahrungen auch ältere Schäden und ihre möglichen Auswirkungen noch vorsichtiger.

Die 1 Mrd. $ sei nicht als Nothilfe zu verstehen, sagte der Sprecher. „Bei Beitragseinnahmen von 3,2 Mrd. $ pro Jahr ist die American Re auch nach dem 11. September mit mehr als 2 Mrd. $ kapitalisiert, das ist ausgezeichnet.“ Es gehe vor allem um Geschäftsausweitung.

Quelle: Financial Times Deutschland


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