Terror kostet Allianz 1,5 Mrd. Euro

Schadensschätzung abermals nach oben korrigiert · Versicherung hält dennoch an Gewinnprognose fest

Von Herbert Fromme, Berlin Die Allianz-Gruppe beziffert ihre Netto-Schadensbelastung aus den Terrorangriffen in den USA jetzt auf 1,5 Mrd. Euro. Nach Steuern wird das Ereignis den Konzern immer noch rund 1 Mrd. Euro kosten, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet in einer Telefonkonferenz. Das führte zu einem Verlust im dritten Quartal in Höhe von 46 Mio. Euro. Allerdings sind Quartalszahlen bei Versicherern wenig aussagekräftig. Am angestrebten Jahresergebnis von 1,7 Mrd. Euro werde sich nichts ändern, sagte Perlet. Dazu würden hohe Veräußerungsgewinne beitragen.

Gestern hat die Allianz ihre Schadensschätzung aus dem Anschlag auf das World Trade Center zum zweiten Mal nach oben korrigiert: Zunächst hatte sie mit 750 Mio. Euro Schaden gerechnet, später mit 1 Mrd. Euro. „Unsere Sachschäden sowie die Luftfahrt-und Haftpflichtschäden sind stabil“, sagte Perlet. „Die Erhöhung stammt vor allem aus der Betriebsunterbrechungsversicherung.“ Viele Firmen, deren Unterlagen zerstört wurden, konnten erst spät ihre Ansprüche geltend machen. Dazu kommen indirekt betroffene Unternehmen. „Die Dutyfree-Shops haben Betriebsunterbrechungsschäden, weil die Flughäfen sechs Tage geschlossen waren, ebenso Consulting-Firmen mit Klienten im WTC“, sagte Perlet.

Die Allianz erzielte in den ersten neun Monaten Beitragseinnahmen von 54,9 Mrd. Euro, eine Steigerung um acht Prozent. Ohne Faktoren wie die Erstkonsolidierung von Neuerwerbungen und Währungsänderungen lag die Steigerung bei 6,2 Prozent. Vor allem die Schaden-und Unfallversicherer verzeichneten einen Anstieg um 8,7 Prozent auf 32,1 Mrd. Euro. In Großbritannien, Spanien und Frankreich ging es den Allianz-Töchtern besonders gut. In der Lebens-und Krankenversicherung verzeichnete der Konzern 23,3 Mrd. Euro Umsatz, ein Plus von 7,1 Prozent. Hier waren Italien und die USA Vorreiter. Wegen der schlechten Börsenverfassung stiegen die verwalteten Vermögen nur um 1,3 Prozent auf 1 120 Mrd. Euro, einschließlich Dresdner Bank. Davon sind 522 Mrd. Euro konzerneigen und 576 Mrd. Euro Drittgelder.

Das Ergebnis der Gruppe wird maßgeblich durch hohe Gewinne aus dem Verkauf von Anlagen beeinflusst. Sie betrugen in den ersten neun Monaten rund 2,7 Mrd. Euro, dem standen Abschreibungen von 1,35 Mrd. Euro gegenüber.

In den ersten drei Quartalen erzielte der Allianz-Konzern einen Gewinn vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen von 3,3 Mrd. Euro. Eine Vergleichszahl legte die Versicherungsgruppe nicht vor, weil sie zum ersten Mal auf Quartalsbasis berichtet.

Nach Steuern, Goodwill und Anteilen Dritter belief sich der Überschuss auf 1,3 Mrd. Euro. Davon stammen 302 Mio. Euro aus dem Bankgeschäft (Dresdner Bank plus andere Bankinteressen), die allerdings nur möglich waren, weil die Banken Gewinne in Höhe von 392 Mio. Euro realisierten.

Bild(er):

Hauptverwaltung der Allianz in München: Veräußerungsgewinne halten den Jahresüberschuss stabil – Tandem/Thomas Geiger.

Quelle: Financial Times Deutschland


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