Terror zwingt Versicherer zu Neubewertungen

Zusätzliche Risiken verteuern Versicherungsschutz

Von Herbert Fromme, Königswinter Wer als Versicherer oder Rückversicherer heute Terrorrisiken zeichnet, geht eine Wette ein, betreibt aber eigentlich kein Versicherungsgeschäft. „Terrorismusschäden sind kaum versicherbar“, sagte Arno Junke vom Rückversicherer General Cologne Re bei einer Fachkonferenz der Ace-Gruppe. Für die Versicherer seien solche Risiken nicht kalkulierbar. „Bei den Rückversicherern sind Kapazitäten für Terrorismusschäden so gut wie nicht vorhanden.“ Deshalb denke die Versicherungsbranche über Alternativen nach, das könnte eine staatliche Beteiligung an dem Risiko sein.

Die Assekuranz zieht weitreichende Schlussfolgerungen aus den Terrorüberfällen, sagte Junke. „Die Schadenspotenziale werden neu eingeschätzt und tendenziell höher bewertet.“ Beim World Trade Center (WTC) hätten die Versicherer mit einem möglichen Höchstschaden von 15 Prozent der versicherten Summe kalkuliert. „Man erwartete, dass höchstens 30 Etagen von einem Schaden betroffen sein würden.“ Der Anschlag habe gezeigt, dass die bisherigen Einschätzungen auch bei anderen Risiken falsch seien.

Der WTC-Schaden werde zu einer deutlichen Verknappung der Versicherungskapazitäten und damit zu Preissteigerungen führen. Der Gesamtschaden wird auf 30 bis 70 Mrd. $ geschätzt. „Wahrscheinlich werden die Erstversicherer rund 40 Prozent und die Rückversicherer 60 Prozent zahlen müssen“, so Junke. Die Schadensschätzungen der einzelnen Unternehmen beliefen sich zusammen bisher auf über 22 Mrd. $.

Weltweit seien alle Rückversicherungsmärkte mit rund 210 Mrd. $ kapitalisiert – davon entfallen 50 Prozent auf Münchener Rück, Swiss Re und Berkshire Hathaway, zu der auch die General Cologne Re gehört. „Der Schaden konzentriert sich also auf eine relativ schmale Kapitalbasis“, sagte Junke. Die Kapitalbasis einiger Rückversicherer werde durch den WTC-Schaden geschwächt, mancher könne wohl seine Verpflichtungen nicht vollständig erfüllen.

Gleichzeitig strömt frisches Kapital in die Rückversicherungsmärkte. Mehrere Neugründungen von Rückversicherern wurden bereits angekündigt, ihre Gesamtkapitalisierung beträgt 8,5 Mrd. $, sagte Junke.

Quelle: Financial Times Deutschland


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