Versicherer erwarten noch 2001 Einigung bei Terror-Pool

Verband zufrieden mit aktueller Geschäftsentwicklung

Von Herbert Fromme, Berlin Noch in diesem Jahr sucht die Versicherungsbranche eine Einigung mit der Bundesregierung über die Einführung eines Versicherungspools für Terrorismus-Risiken. Die Branche werde eine „erhebliche Kapazität“ von deutlich mehr als 1 Mrd. Euro für den Pool zur Verfügung stellen, sagte Bernd Michaels, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Eine genaue Summe wollte er aber wegen der komplizierten Materie nicht nennen.

Die deutschen Versicherer würden auch künftig für Privat-und Gewerbekunden Terrorismusrisiken abdecken. Für Großrisiken und Risikozusammenballungen werde der Pool Versicherungsschutz gewähren. Wenn auch dessen Kapazität erschöpft ist, solle der Staat einspringen.

Michaels verteidigte die scharfen Preiserhöhungen in der Industrieversicherung. „Sie haben beinahe nichts mit dem Terrorrisiko zu tun“, sagte er. Die jetzt angestrebten Erhöhungen seien angesichts des jahrelangen Prämienverfalls „längst überfällig“. Die Beitragseinnahmen der Industrieversicherer würden 2001 immer noch unter denen von 1998 liegen, der durchschnittliche Beitragssatz habe sich halbiert.

Insgesamt zeigte sich Michaels zufrieden mit der Beitrags-und Schadensentwicklung im Jahr 2001. Die GDV-Mitglieder erwarten Prämieneinnahmen von 265,8 Mrd. DM, ein Plus von 3,3 Prozent. Davon stammen 122,9 Mrd. DM aus der Lebensversicherung. Das ist eine Steigerung von 3,1 Prozent. Die Krankenversicherer legten um 4,9 Prozent auf 42,5 Mrd. DM zu. In der Schaden-und Unfallversicherung verbuchten die Unternehmen ein Plus von 2,6 Prozent auf 97,2 Mrd. DM – vor allem wegen des starken Anstiegs in der Autoversicherung, die im wesentlichen durch Preiserhöhungen um 4,7 Prozent auf 41,7 Mrd. DM zulegte. Gleichzeitig ging die Schadenbelastung in der Kfz-Versicherung um 2,5 Prozent auf 38,8 Mrd. DM zurück, im Gesamtbereich Schaden und Unfall um 1,0 Prozent auf 77,0 Mrd. DM.

Im Jahr 2001 sei der Gesamtmarkt in der Schaden-und Unfallversicherung zu einem technisch ausgeglichenen Ergebnis zurückgekehrt, sagte Michaels. Schadenzahlungen und Rückstellungen plus Kosten entsprachen mithin den Beiträgen.

Über das tatsächliche Schicksal der Branche sagt das wenig aus. Denn dazu tragen die Erträge aus Kapitalanlagen entscheidend bei. Die Verbandsexperten konnten keine Zahl für die Kapitalerträge des Jahres 2000 nennen und wollten auch die Erträge für 2001 nicht schätzen. Das Kapitalergebnis dürfte wegen der schwachen Börsen schlechter ausfallen als im letzten Jahr.

Für 2002 ist die Branche optimistisch. Wegen der Riester-Rente soll die Lebensversicherung um 7,5 Prozent wachsen. Für die Krankenversicherung werden 4,5 Prozent angenommen, für den Schaden-und Unfallbereich 2,5 Prozent. Insgesamt könnten die Versicherer fünf Prozent mehr Einnahmen verbuchen.

Zitat:

„Höhere Preise in der Industrie-versicherung sind überfällig“ – Bernd Michaels, GDV.

Quelle: Financial Times Deutschland


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