Axa enttäuscht mit drastischem Gewinneinbruch

Von Herbert Fromme, Stuttgart Die Axa-Gruppe erwartet für 2001 einen dramatischen Gewinneinbruch wegen des hohen Schadens aus dem Terrorüberfall auf New York und wegen der schwierigen Kapitalmarktentwicklung. Rund 670 Stellen sollen gestrichen werden. Axa-Chef Henri de Castries nannte das Jahr 2001 „das schlechteste überhaupt“ für die Gruppe. Das Geschäft werde sich aber 2002 erholen. Die Aktie des Pariser Konzerns schloss gestern um 6,3 Prozent schwächer mit 22,20 Euro.

Auch die deutsche Axa-Gruppe veröffentlichte gestern eine reduzierte Gewinnerwartung für 2001, eine Woche nachdem ihr Chef Claus-Michael Dill jede Aussage zum Gewinn 2001 verweigerte. Die Axa-Gruppe erklärte in Paris, ihr Nettogewinn werde 1,2 Mrd. Euro betragen. Das wäre deutlich weniger als die Hälfte des Vorjahresgewinns, als die Axa 2,54 Mrd. Euro erzielte und sogar niedriger als der Halbjahresgewinn von 1,54 Mrd. Euro. wurde. Analystenschätzungen waren von 1,5 Mrd. Euro bis 2 Mrd. Euro ausgegangen.

Das Unternehmen nannte drei Gründe für die Verschlechterung. Der Nettoschaden aus dem Angriff auf das World Trade Center belaufe sich auf 600 Mio. Euro vor Steuern, 50 Mio. Euro mehr als bisher angenommen. Nach Steuern koste der Schaden 400 Mio. Euro. Außerdem habe die Gruppe angesichts der schwächeren Kapitalmärkte ihr Anlageportfolio untersucht. Sie sei zu dem Ergebnis gekommen, dass zum Jahresende insgesamt 700 Mio. Euro abgeschrieben werden müssen, weil der Wertverlust der betroffenen Papiere dauerhaft ist. Dazu kommt ein weiterhin schlechtes versicherungstechnisches Ergebnis. Die Quote aus Schäden und Kosten zu Prämieneinnahmen beträgt 112 Prozent. Das ist zwar besser als die 114 Prozent des Jahres 2000, aber immer noch tief in den roten Zahlen.

Für 2002 erwartet die Axa eine deutliche Verbesserung. Dazu sollen die höheren Preise in der Schaden-und Unfallversicherung beitragen, außerdem die Reduzierung der Kosten um 700 Mio. Euro.

Der Gewinn pro Aktie werde um mindestens 20 Prozent steigen, so die Prognose, wenn der Effekt des US-Terrorüberfalls und die Erträge aus Wertpapierverkäufen nicht eingerechnet werden.

Die deutsche Axa-Gruppe rechnet mit einem Jahresgewinn von 50 Mio. Euro nach Steuern. Im Jahr 2000 hatte der Konzern 205 Mio. Euro erzielt. Allerdings ist der größte Teil des Rückgangs um 155 Mio. Euro Euro steuerlichen Sonderfaktoren zuzuschreiben: Im Jahr 2000 wurde der Gewinn Euro durch einen einmaligen positiven Steuereffekt gesteigert, als der Konzern früher höher besteuerte Gewinnrücklagen auflöste und dafür 45 Mio. Euro Erstattungen vom Finanzamt verbuchen konnte, weil inzwischen niedrigere Steuersätze gelten.

Das Ergebnis für 2001 wird dagegen durch einen Sonderfaktor um 80 Mio. Euro belastet. Die Axa hatte 1999 so genannte aktive latente Steuern auf künftige Gewinne in Höhe von 132 Mio. Euro gebildet. Die werden aufgelöst, weil die Gewinnerwartungen niedriger sind. Das World Trade Center kostet die deutsche Axa 42 Mio. Euro.Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


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