Banken halten Reeder über Wasser

Von Anja Krüger und Katrin Berkenkopf, Hamburg Die deutschen Reeder werden die gegenwärtige Krise in der Schifffahrt ohne Pleiten überstehen. Das glaubt jedenfalls der Verband Deutscher Reeder (VDR). Grund für den Optimismus ist die gute Zusammenarbeit mit den deutschen Schifffahrtsbanken, sagte VDR-Geschäftsführer Bernd Kröger. „Die Banken werden den Reedereien Tilgungsstundungen gewähren.“ Sokönne die Schifffahrtsbranche sicher durch die „Schlechtwetterfront“ segeln, hofft Verbandspräsident Frank Leonhardt, die schon vor dem 11. September begann, jetzt aber an Wucht noch zugenommen hat.

Wegen sinkendem Ladungsaufkommen und mehr Schiffsneubauten sind die Charterraten drastisch gesunken. Die meisten deutschen Reeder vermieten (verchartern) ihre Schiffe an Linienreedereien, die eigentlichen Betreiber der Transportdienste.

Wer langfristig verchartert hat, kann hoffen, die Krise relativ unbeschadet zu überstehen – aber nur, wenn der Charterer finanzkräftig ist und die Flaute durchsteht. „Ernste Ertragsprobleme“ kommen auf jeden Fall auf die Reeder zu, deren Schiffe zurzeit eine Beschäftigung suchen. Weltweit liegen bereits rund 100 Schiffe ohne Ladung vor Anker, diese Zahl werde noch steigen, meint der VDR. Die Zahlen für 2001 könnten für viele Unternehmen noch auskömmlich sein, weil der Jahresanfang sehr gut war. 2002 wird anders, glaubt Leonhardt. „Das kommende Jahr wird für viele ein Alle-Mann-an-Deck-Unternehmen werden.“

Die Flotte unter deutscher Kontrolle wuchs seit Jahresbeginn um 100 Schiffe auf 2110 Schiffe mit insgesamt 26,2 Millionen BRZ, der Bruttoraumzahl, in der Schiffsgrößen gemessen werden. Immer weniger davon fahren allerdings unter deutscher Flagge. Leonhardt schiebt das auf die hohen Lohnnebenkosten.

Bei den Werften – vor allem in Korea, China und Polen – haben deutsche Reeder weitere 200 Schiffe im Wert von 8,3 Mrd. Euro bestellt, die überwiegend im kommenden Jahr ausgeliefert werden. „Das bringt zwar einen Modernisierungsschub für die deutsche Flotte, aber auch eine weitere Kapazitätsausweitung“, sagte Leonhardt. Bisher habe es trotzdem kaum Abbestellungen gegeben.

Sorgen bereiten der Branche auch steigende Versicherungsprämien. Vor allem die Zuschläge für Fahrten in Krisengebiete schlagen teuer zu Buche: Ein Schiff mit 4000 Standardcontainern (TEU), das einen ägyptischen Hafen anläuft, musste vor den Anschlägen nicht extra gegen Kriegsrisiken versichert werden. Unmittelbar nach dem 11. September musste der Reedereine Sonderkriegsversicherung abschließen, die 100 000 DM kostete. Mittlerweile hat sich die Situation wieder etwas entspannt, die Prämie liegt jetzt noch etwa bei etwa der Hälfte.

„Dieser erhebliche Anstieg ist für die Reeder nicht nachvollziehbar“, erklärte Kröger. Schließlich sei bis jetzt kein einziges Handelsschiff bei einem Terroranschlag beschädigt worden.

Mit drastischen Steigerungen rechnen die Reeder auch bei der normalen Kasko-und Haftpflichtversicherung für ihre Flotten. „Die Erhöhung kann im zweistelligen Prozentbereich liegen“, sagte Leonhardt. Die Versicherer wollten wohl Verluste aus gesunkenen Aktienkursen ausgleichen, vermuten die Lobbyisten.

Freuen können sich Industrie und Handel, die Güter per Schiff transportieren lassen. Denn trotz höherer Versicherungskosten sind die Frachtraten auf Grund der Überkapazität drastisch gesunken: Kostete der Transport eines 20-Fuß-Containers von Hamburg nach Fernost vor dem 11. September noch etwa 1400 $, liegt der Preis auf gleicher Strecke jetzt bei unter 500 $.

Quelle: Financial Times Deutschland


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