Fonds erwarten jetzt Riester-Boom

Von Anja Krüger und Herbert Fromme, Köln, Matthias Dezes und Rolf Lebert, Frankfurt Die Fondsgesellschaften reagieren uneinheitlich auf die Möglichkeit, Riester-Produkte mit einer hohen Einmalauszahlung bei Rentenbeginn anzubieten. Die Mehrzahl der Unternehmen begrüßt die vom Finanzministerium geschaffene Neuregelung. Einzelne wollen von ihr keinen Gebrauch machen, anderen geht die Flexibilität nicht weit genug.

Wie gestern berichtet, genehmigt das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) als Zertifizierungsbehörde für Riester-Produkte jetzt auch Auszahlungspläne, die eine Einmalzahlung von 20 Prozent der angesparten Summe vorsehen. Weitere 20 Prozent können in Teilraten ausgezahlt werden, die anders als die „normalen“ Rentenzahlungen nicht gleichbleibend oder steigend sein müssen. Die Lebensversicherer mit ihren Rentenversicherungen haben diese Möglichkeiten nicht.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verweist auf mögliche Verwerfungen. „Schließlich wird bei diesem Verfahren für die Rente, die ab 85 gezahlt wird, nur aus 60 Prozent des angesparten Kapitals Geld zurückgelegt. Das bedeutet einen erheblichen Rentenabfall ab dem 85. Lebensjahr“, so GDV-Experte Peter Schwark.

Nicht alle Fondsgesellschaften wollen die neuen Möglichkeiten nutzen. Die Union Investment, die Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken, wird ihren Kunden die Möglichkeit der Auszahlung eines größeren Teilbetrags nicht eröffnen. „Wir bieten das nicht an, weil es gegen den Grundgedanken des Gesetzes verstößt“, sagte ein Sprecher.

Andere Fondsgesellschaften sehen sich nicht als Hüter des wahren Riesterschen Geistes. „Wir werden die mögliche Flexibilität nutzen“, erklärte ein Sprecher der DWS, die zur Deutschen Bank gehört.

Die zur Commerzbank gehörende Fondsgesellschaft Adig Investment steht der vom BAV eingeführten Regelung kritisch gegenüber. „Der gefundene Kompromiss ist ein kleiner Schritt in Richtung mehr Flexibilität und Kundenorientierung“, sagte Adig-Geschäftsführer Hans-Jürgen Löckener der FTD. Den Idealfall sieht die Adig nach wie vor in einer maximalen Flexibilität, die auch die komplette Auszahlung des angesparten Kapitals ermöglicht.

Zufrieden äußerte sich Manfred Laux, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI), zu der BAV-Entscheidung. Auch mit einer Auszahlung von 20 Prozent der Ansparsumme sei es möglich, dem Anleger nach Erreichen des 85. Lebensjahres eine adäquate Versorgung zu gewährleisten, meinte Laux. „Die ab dem 85. Lebensjahr ausgezahlten Beträge sollen nach unseren Vorstellungen nicht niedriger sein, als die Rente, die der Anleger zwischen 65 und 85 aus seinem Riester-Investment bezieht“, sagte Laux. Die Einmalauszahlung von bis zu 20 Prozent ermögliche allerdings eine Anlage eines Teiles des Sparbetrages in höher rentierliche Investments und könne auf diese Weise das Versorgungsniveau ab 85 steigern.

Von weiteren Nachbesserungen will er nichts wissen. „Für die Investment-Industrie ist es jetzt wichtiger, dass die Eigenkapital-Unterlegung der Riester-Privatrente so gestaltet wird, dass die Branche ihre Effizienz voll einsetzen kann“, betonte er. „Wir müssen dafür sorgen, dass kein unnötiges Eigenkapital vorgehalten werden muss“, betonte Laux.

Die erweiterten Möglichkeiten lassen auch die Sparkassengruppe nach neuen Wegen suchen. Eigentlich wollten sie als Riester-Produkt vor allem eine Rentenpolice der öffentlich-rechtlichen Versicherer anbieten. „Ab Mitte 2002 kommt ein Riester-fähiges reines Investmentprodukt hinzu“, sagte Hans-Jürgen Gutenberger, Vorstandsmitglied der DGZ-DekaBank. Bisher hätten die Riester-Produkte weitgehend die Handschrift der Versicherungswirtschaft getragen. „Wir hätten uns von Anfang eine völlige Gleichberechtigung gewünscht“, sagte Gutenberger.

Er will die Kraft des Sparkassensektors auch für die betriebliche Altersversorgung bündeln. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch hier in Kürze alle öffentlich-rechtlichen Versicherungen und die Dekafonds unter einen Hut bringen.“ Die Kunden sollen aus dem Handwerk kommen, etwa durch einen Branchenvertrag mit dem Zentralverband des deutschen Handwerks. „Wegen der dezentralen Strukturen des Handwerks haben wir mit unserer dezentralen und weit in die Fläche reichenden Vertriebsstruktur einen großen Vorteil.“

Für die größten Pensionsfonds der Republik kommt die Entscheidung der Sparkassen zur gemeinsamen Aktion zu spät. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ werden Allianz Leben und Dresdner Bank Konsortialführer für das Versorgungswerk Metallrente. Arbeitgeber und Gewerkschaften behaupteten gestern, es sei noch keine Entscheidung getroffen worden, die Allianz wollte sich nicht äußern. In der Finanzbranche ist es aber kein Geheimnis, dass der Vertrag fertig ausgehandelt, aber noch nicht unterschrieben ist. Damit konnte die Allianz die Scharte auswetzen, die ihr die HypoVereinsbank (HVB) zufügte, als sie den Wettbewerb um den Chemie-Pensionsfonds gewann.

Zitat:

„Ab Mitte 2002 bieten wir ein Riester-fähiges Invest-Produkt“ – H.-J. Gutenberger

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import