Rückversicherungs-Plattform Reway gibt auf

Von Herbert Fromme, Köln Reway, die junge Internet-Auktionsplattform für Rückversicherungsrisiken, gibt auf. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent der Gothaer Rückversicherung gehört, wird mit dem Konkurrenten Inreon in London zusammengeführt.

An Inreon sind die Marktführer Münchener Rück und Swiss Re mit je 25 Prozent beteiligt. Weitere Anteilseigner sind das US-Unternehmen Internet Capital Group mit 20 Prozent und Accenture, früher Andersen Consulting, mit fünf Prozent. Der Rest ist für weitere Aktionäre und das Management reserviert.

Die Gothaer erhält für das Einbringen von Reway einen Anteil bis zu einem Prozent an Inreon. Die genaue Höhe wird Anfang 2003 festgelegt und hängt vom Geschäftsvolumen ab, das von den früheren Reway-Kunden bei Inreon generiert wird.

Erstversicherer, die direkt mit dem Publikum Kontakt haben, und Rückversicherer, bei denen sie sich Schutzdeckungen für Großrisiken und Katastrophen holen, schließen sehr viele Routineverträge miteinander ab, die zeit-und arbeitsintensiv sind. Nach Branchenschätzungen entfallen 25 Prozent bis 30 Prozent der Kosten eines Rückversicherers auf den Vertragsabschluss. Deshalb kam vor einigen Jahren in der Branche die Idee auf, diese Abschlüsse per Internet zu automatisieren und den Markt gleichzeitig transparenter zu machen. Allerdings blieb der erhoffte Boom bisher aus.

Reway hat zwar 70 registrierte Versicherer, Rückversicherer und Makler. Bisher war das Handelsvolumen mit knapp 20 Abschlüssen aber sehr begrenzt. Viel besser steht die Inreon trotz der 130 Abschlüsse auch nicht da. Über die Londoner Plattform handeln 13 Rückversicherer als Verkäufer und 40 Erstversicherer und Makler als Käufer.

Auch andere, vor allem in den USA, unternommene Versuche, Online-Plattformen für diesen sehr speziellen Markt zu schaffen, waren wenig erfolgreich. Vor sechs Monaten hat Inreon die amerikanische Online-Plattform Risk Transfer Exchange übernommen. Langfristig erwartet Inreon-Chef Rob Bredahl, dass weltweit nur ein bis zwei Plattformen übrig bleiben dürften.

Für die Gothaer-Gruppe waren die Ausgaben für den Reway-Versuch überschaubar. Nach Marktschätzungen wurden rund 6 Mio. DM ausgegeben, eine Zahl, die das Unternehmen nicht kommentieren will.

Die Reway-Beschäftigten übernimmt die Gothaer-Gruppe, Reway-Chef Rainer Breeck wird vorübergehend für Inreon tätig sein und für einen reibungslosen Übergang sorgen.

Die beiden Plattformen unterscheiden sich in ihrer Unternehmensphilosophie deutlich von einander. Während Reway die vorhandenen Geschäftsprozesse abbilden und transparent machen wollte, setzte Inreon vor allem auf standardisierte Verträge. Inzwischen aber, heißt es in London, sei das Angebot von Inreon deutlich flexibler.

Quelle: Financial Times Deutschland


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