Analysten uneinig über Rückversicherer

Von Herbert Fromme, Köln Rückversicherer werden in den nächsten Jahren einen kräftigen Boom erleben, der durch das neu in den Markt strömende Kapital kaum beeinflusst wird. Rückversicherungsaktien werden gewinnen, argumentieren die Analysten von Morgan Stanley in ihrer neuen Studie „European Reinsurance“.

Mit diesem positiven Urteil steht Morgan Stanley allerdings zurzeit allein da. Mehrere Banken stuften gestern die Aktien der Marktführer Münchener Rück und Swiss Re herab. Die Deutsche Bank reduzierte ihre Einschätzung beider Titel von „Buy“ auf „Market Perform“, Schroder Salomon Smith Barney stuften die Münchener Rück von „Buy“ auf „Outperform“ herab, die Swiss Re sogar auf „Neutral“.

Morgan Stanley dagegen sieht den Sektor positiv. Die Fachwelt sei sich einig über den kurzfristigen Trend für die Branche. Allerdings sei der Markt gleichzeitig beunruhigt über die mittel-und langfristigen Aussichten, so Morgan Stanley weiter. Anleger befürchten, dass frisch in diesen Bereich strömendes Kapital den Aufschwung schnell beenden könnte und dass der Aufschwung in den heutigen Preisen für Rückversicherungsaktien bereits enthalten sei.

Gegen diese Einschätzung ziehen die Morgan-Stanley-Analysten eine historische Analyse heran. Rückversicherungsaktien sei es in den letzten Jahren in Aufschwungphasen immer dann gut gegangen, wenn es davor Schockerlebnisse für die Branche gegeben habe. Dazu gehörten die globale Rezession und die Marktkrise 1974, die Haftpflichtkrise in den USA Mitte der 80er Jahre und die Rezession Anfang der 90er, verbunden mit hohen Katastrophenschäden. Nach jedem dieser Ereignisse habe es Perioden von drei bis vier Jahren gegeben, in denen die Prämien überdurchschnittlich stark stiegen und auch Rückversicherer-aktien zulegten. „Wir meinen, dass 2001 sich als weitere entscheidende Phase für die Rückversicherungsbranche herausstellen wird, hervorgerufen durch die Angriffe auf das World Trade Center und die schwachen Kapitalmärkte“, heißt es.

Zwar seien seit dem 11. September rund 20 Mrd. $ an frischem Kapital in die Versicherungs-und Rückversicherungsmärkte (Nichtleben) geflossen. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Schließlich gebe es eine Kapitalverknappung um mehr als 100 Mrd. $ – das Ergebnis von gestiegener Nachfrage und reduzierter Kapitalbasis der Versicherer.

Auch die niedrigen Kapitalerträge sprechen für eine langfristige Steigerung der Preise, glauben die Analysten. Für jeden Prozentpunkt, den das Kapitalanlageergebnis niedriger ausfällt, müssen Rückversicherer die Preise um vier Punkte erhöhen, um ihr Gewinnniveau zu halten.

Allerdings konzentriere sich das Wachstum vor allem auf die vier Marktführer Münchener Rück, Swiss Re, Berkshire Hathaway (General Cologne Re) und Employers Re. Sie haben ihren gemeinsamen Marktanteil zwischen 1990 und 2000 von 20 auf 40 Prozent verdoppelt. Diese vier Werte werden von Morgan Stanley empfohlen. Daneben hat die Bank aber auch ihre Bewertungen von Hannover Rück und Scor – die nach dem 11. September zurückgenommen wurden – wieder hochgesetzt.

Allerdings sieht Morgan Stanley auch Risiken. Die bestünden aber nicht so sehr im Zufluss von frischem Kapital, sondern in der Möglichkeit einer neuen Megakatastrophe. Diese würde vor allem kleine und mittlere Rückversicherer schwer treffen.

Rückversicherungs-Prämie in Mrd. $2000 1990 Nichtleben-Rückversicherung 97,9 65,3 Lebens-Rückversicherung 27,5 10,2 Gesamte Prämieneinnahmen 125,4 75,5.

Die größten Rückversicherer der Welt

in Mrd. $ Nettoprämien1) Eigenkapital1) Marktwert2) 1 Münchener Rück 15,3 19,4 46 2 Swiss Re 14,5 14,1 32 3 Berkshire Hathaway 8,6 40,1 93 4 Employers Re 7,9 6,0 n.v.* 5 Hannover Rück 5,0 1,5 2 6 Gerling Globale 4,1 1,4 n.v. 7 Lloyd’s 4,0 8,3 n.v. 8 Allianz 3,7 53,4 o.B.** 9 Scor 2,8 1,3 1 10 Converium 2,5 1,5 2 1) Werte für 2000, 2) vom 4. Jan. 2002; * nicht verfügbar ** ohne Bedeutung Quelle: Morgan Stanley.

Quelle: Financial Times Deutschland


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