BASF erwägt industrieeigenen Rückversicherer

Von Herbert Fromme, Köln Der Chemiekonzern BASF hat gestern Pläne zur Gründung einer industrieeigenen Rückversicherung bestätigt. „Wir stehen mit diesen Überlegungen allerdings erst ganz am Anfang“, sagte ein Sprecher zu einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Danach sucht BASF die Unterstützung von zehn bis zwölf anderen Großkonzernen.

Wie viele Industrieunternehmen ist auch BASF über die gegenwärtige Versicherungssituation verärgert. Zum einen haben Versicherer und Rückversicherer die Preise drastisch erhöht. Zum anderen schließen sie in ihren Verträgen Terrorschäden ausdrücklich aus. Das wird für die Industrie zunehmend zum Problem: Finanzierungen und Leasing-Deals hängen in der Regel von vollständigem Versicherungsschutz ab.

Die Versicherungswirtschaft ist zwar bereit, dafür einen Terrorpool mit knapp 2 Mrd. Euro Kapazität zu gründen – aber nur, wenn die Bundesregierung eine staatliche Haftung für darüber hinausgehende Schäden aus Terrorüberfällen übernimmt. Davon zeigt sich das Bundesfinanzministerium bislang nicht sehr begeistert.

Bisher führte BASF noch keine Verhandlungen mit anderen Unternehmen. Viele Industriekonzerne haben bereits eigene Rückversicherer. So unterhält die BASF gemeinsam mit Bayer und Aventis den Rückversicherer Indurisk mit Sitz in Luxemburg.

Zweifel an den Aussichten für das neue Großprojekt sind angebracht. Jede neue Gesellschaft, die Industrierisiken bündeln soll, braucht eine milliardenschwere Kapitalisierung. Will die Industrie die Mittel selbst aufbringen oder auf die Kapitalmärkte setzen? Im letzteren Fall ist kaum zu erwarten, dass sich Anleger mit geringeren Renditen zufrieden geben als bei kommerziellen Rückversicherern. Zweitens braucht auch ein industrieeigener Rückversicherer selbst Rückdeckungen für 50 oder 60 Prozent des Geschäfts – die nur bei den Gesellschaften zu haben wären, gegen die der Neuling antritt. Drittens könnte auch ein industrieeigener Versicherer nicht einfach Terrorrisiken zeichnen, ohne ein hohes Insolvenzrisiko einzugehen.

Trotzdem sollte die BASF nicht unterschätzt werden. Schon einmal hat sie gezeigt, dass sie erfolgreich in fremde Branchen expandieren kann. Als dem Konzern, einem der größten Gasverbraucher in Deutschland, die Gaspreise zu hoch wurden, gründete er gemeinsam mit Russlands Produzent Gasprom die Wingas, knackte erfolgreich das Ruhrgas-Monopol und brachte die Preise nach unten.

Zitat:

„Ein industrie-eigener Rückversicherer braucht Milliarden an Eigenkapital „.

Quelle: Financial Times Deutschland


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