Klima zwischen möglichen Werftpartnern wird rauer

Von Herbert Fromme, Köln Babcock Borsig, die Muttergesellschaft der Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW), verlangt von ThyssenKrupp die Bereitschaft, „bereits besprochene Synergieeffekte auch zu realisieren“. Diese Maßnahmen scheine Thyssen Krupp zu scheuen, so ein Sprecher. Das bezieht sich offenbar auf die von HDW-Managern mehrfach verlangte Schließung von Teilen der Fertigung bei der Hamburger ThyssenKrupp-Werft Blohm + Voss nach der Fusion. Der Eindruck, ThyssenKrupp tue alles für die Realisierung der geplanten Überkreuzbeteiligung, während Babcock Borsig eher zögerlich sei, sei falsch, sagte er.

Damit reagierte das Unternehmen auf Herbert von Nitzsch, Chef der Thyssen Krupp Werften, der am Donnerstag indirekt den potenziellen Partner für das bisherige Nichtzustandekommen der geplanten Überkreuzbeteiligung verantwortlich machte.

Zu ThyssenKrupp gehören neben Blohm + Voss die Thyssen-Nordseewerke in Emden. Die beiden Betriebe arbeiten im Kriegsschiffbau eng mit HDW zusammen. So baut Emden bei vielen U-Booten das Heck, während der vordere Teil bei HDW in Kiel gefertigt wird. Auch bei Fregatten gibt es eine enge Kooperation, vor allem bei Aufträgen der Bundesmarine.

Seit Jahren wird über ein Zusammenrücken der beiden Schiffbaugruppen verhandelt, auf das auch die Bundesregierung drängt. Im vergangen Jahr einigten sich ThyssenKrupp und Babcock Borsig darauf, in drei Schritten Anteile an den Werften der jeweils anderen Seite zu übernehmen – zunächst 7,5 Prozent, dann 15 Prozent und schließlich 49,5 Prozent.

Dieser Plan liegt zunächst auf Eis. ThyssenKrupp vermutet, dass dies unter anderem an den Veränderungen der Aktionärsstruktur sowohl bei der Werft HDW – bei ihr ist der schwedische Rüstungsbetrieb Saab gerade ausgestiegen – und bei Babcock Borsig liegt. Dort stellt der US-Investor Wyser-Pratte als neuer Aktionär Ansprüche.

Babcock Borsig weist diese Auffassungen zurück und macht seinerseits ThyssenKrupp für die Probleme verantwortlich. Der Konzern habe seine Haltung zu den eigenen Werften mehrfach geändert.

Offenbar will Klaus Lederer, Chef von Babcock und HDW, jetzt auf internationaler Ebene Tatsachen schaffen – auch gegen Blohm + Voss. Nach der Übernahme von Kockums in Schweden und Hellenic Shipyards in Griechenland ist ein Kooperationsvertrag mit der italienischen Staatswerft Fincantieri unterschriftsreif. „Darüber hinaus führen wir intensive Gespräche mit dem spanischen Werftenverband Izar“, sagte der Sprecher. Trotzdem: „Insgesamt ist unser Interesse an der Zusammenarbeit mit ThyssenKrupp ungebrochen“, sagte der Sprecher.

Zitat:

„Insgesamt ist unser Interesse an der Zusamenarbeit ungebrochen“ – Sprecher von Babcock Borsig.

Quelle: Financial Times Deutschland


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