Allianz ist zufrieden mit Inlandsgeschäft

Starke Verbesserung in der Autoversicherung · Sachgruppe fährt ihre Kapitalerträge hoch

Von Herbert Fromme, München Weitere Preiserhöhungen im Autogeschäft und eine „konsequente Fortsetzung“ der Sanierung im Industrie-und Gewerbegeschäft kündigte die Allianz gestern für den einheimischen Markt an. Reiner Hagemann, Vorstandschef der Allianz Versicherung und damit der Allianz Sachgruppe, erwartet eine Ertragsverbesserung für das laufende Jahr, wollte aber nicht genauer werden.

Die Sachgruppe hat in ihrer größten Sparte Autoversicherung 2001 ein deutlich besseres Ergebnis erzielt. Sie schreibt zwar (ohne Einrechnung der Kapitalerträge) immer noch rote Zahlen, doch war der technische Verlust mit 127 Mio. Euro um mehr als die Hälfte niedriger als im Vorjahr. Dabei kamen dem Marktführer Preiserhöhungen bei Privatkunden, die Kündigung verlustbringender Flotten und das weitere Absinken der Schadenhäufigkeit zu Gute.

Inzwischen hat sich, zumindest bei der Schadenhäufigkeit, der Trend wieder ins Negative gedreht. Außerdem, so fürchten Allianz-Manager, könnte mancher Konkurrent wieder mit einem Preiskampf beginnen. „Anzeichen dafür gibt es“, sagte Vorstand Karl-Walter Gutberlet. Mit 9,17 Millionen versicherten Fahrzeugen ist die Allianz klarer Marktführer geblieben, auch wenn sie rund 70 000 Verträge gegenüber dem Vorjahr verloren hat.

Die Autoversicherung trug 3,8 Mrd. Euro (plus 4,8 Prozent) zum Gesamtumsatz von 10,1 Mrd. Euro bei, der 4,2 Prozent über dem Vorjahr lag. Hohe Zuführungen zu den Schwankungsrückstellungen – die gesetzlich vorgeschrieben sind – und eine Belastung von 67 Mio. Euro aus dem World Trade Center für eigene Rechnung der Sachgruppe führten zu einem technischen Verlust von 232 Mio. Euro, verglichen mit 76 Mio. Euro im Vorjahr. „Ohne die Zuführung zu den Schwankungsrückstellungen wäre unser Verlust minimal bei 20 Mio. Euro gewesen“, saget Hagemann.

Trotz der Börsenturbulenzen fuhr die Allianz die Erträge aus ihren Kapitalanlagen hoch – 881 Mio. Euro statt 790 Mio. Euro verbuchte Finanzchef Karl-Hermann Lowe, darunter 292 Mio. Euro aus Veräußerungsgewinnen, deutlich mehr als die 130 Mio. Euro des Vorjahres. Das ermöglichte ein Vorsteuerergebnis von 649 Mio. Euro, verglichen mit 715 Mio. Euro für 2000. Da die Steuerquote der Sachgruppe von 40 Prozent für 2000 auf 30 Prozent für 2001 zurückgeht, wird der Gewinn nach Steuern sogar leicht über den 420 Mio. Euro des Vorjahres liegen.

Im Industriegeschäft hat die Allianz die Preise kräftig angehoben und Terrorrisiken bei fälligen Policen über 10 Mio. Euro Versicherungssumme ausgeschlossen – hat aber selbst keine Verträge gekündigt. „Es gibt aber keine Auswirkungen auf den Versicherungsschutz für Privatpersonen, Handel und kleine bis mittlere Unternehmen“, sagte Hagemann.

Für die 350 freien Aktionäre der Allianz-Konzerngesellschaft Vereinte Versicherung, die 0,7 Prozent halten, hat die Allianz eine Zwangsabfindung (Squeeze Out) angekündigt. Sie bekommen nach einem Wertgutachten 2211,74 Euro pro 100-DM-Aktie. Die Vereinte Sach gehört künftig zur Allianz Versicherung.

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Reiner Hagemann, Vorstandsvorsitzender der Allianz-Sachgruppe, erwartet im laufenden Jahr eine Ertragsverbesserung. Eine Prognose wollte er nicht abgeben – Rainer Unkel.

Quelle: Financial Times Deutschland


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