Ergo kauft Sachversicherungsgeschäft in Portugal

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rück verstärkt ihre Präsenz im portugiesischen Erstversicherungsmarkt. Ihre Tochter Ergo hat den örtlichen Sachversicherungsbestand der größten britischen Versicherungsgruppe CGNU mit einem Prämienvolumen von 21 Mio. Euro pro Jahr übernommen.

Deutschlands zweitgrößte Erstversicherungsgruppe, zu der Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und DAS gehören, will mit weiteren Zukäufen zu den führenden Versicherern in Portugal aufzuschließen. „Wir können uns vorstellen, noch einen Bestand zu übernehmen“, sagte ein Sprecher. Bislang ist die Präsenz in dem Land eher bescheiden.

Nach der Übernahme kommt die Gruppe zusammen mit dem Geschäft der schon bestehenden Gesellschaft Victoria-Seguros nur auf 33 Mio. Euro Prämie im Segment Schaden-und Unfall. Damit steht sie auf Rang 15. In der kleinen Sparte private Krankenversicherung hält sie aber mit 31 Mio. Euro Prämie schon die zweite Position im Markt. In der Lebensversicherung belegt die Victoria-Seguros de Vida mit 70 Mio. Euro den siebten Rang. Über alle Sparten stehen die Ergo-Töchter mit Prämieneinnahmen von 134 Mio. Euro an zwölfter Position.

Das CGNU-Geschäft wird vor allem über Makler und Mehrfachagenten vertrieben und ergänzt damit die Victoria-Seguros, deren Absatz auf Vertretern beruht. Mit dem Versicherungsbestand wechseln auch die 73 Mitarbeiter der CGNU in Portugal zur Ergo-Gruppe.

Die Münchener Rück verfolgt mit der Ergo im europäischen Erstversicherungsmarkt die Strategie, vor allem in der Personenversicherung in stark wachsenden Märkten zuzukaufen. Im Jahr 2000 stammten 1,7 Mrd. Euro oder knapp 14 Prozent der gesamten Beiträge von 12,7 Mrd. Euro aus dem Ausland, mittelfristig will Ergo-Chef Lothar Meyer 20 Prozent erreichen. Die größten Tochterunternehmen bestehen in Italien, den Niederlanden, Belgien und Spanien.

Auch in Osteuropa ist die Ergo seit der Übernahme einer ganzen Firmengruppe von der Alten Leipziger gut vertreten. Weiße Flecken gibt es vor allem in Frankreich und der Tschechischen Republik.

Die CGNU hat in Portugal keine Perspektive mehr gesehen. Anders in Asien: Zeitgleich mit dem Verkauf an die Ergo gab das Unternehmen einen bedeutenden Deal in Hongkong bekannt. Der Versicherer übernimmt für 51 Mio. Euro von der Bank DBS, Singapur, die Versicherungstöchter Dao Heng Assurance und DBS Kwong On Insurance in Hongkong. Gleichzeitig schlossen CGNU und DBS ein Vertriebsabkommen, das dem Versicherer Zugang zum lukrativen Altersvorsorgemarkt in Hongkong gibt. Dort werden rund 30 Prozent des Neugeschäfts von 1,6 Mrd. Euro über Bankschalter vertrieben.

Quelle: Financial Times Deutschland


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