Gerling-Konzern benötigt kräftige Finanzspritze

Kapitalerhöhung vollzogen · Lebensversicherer fusionieren

Von Herbert Fromme, Köln, und Rolf Lebert, Frankfurt Der Gerling-Konzern braucht nach einem miserablen Jahr 2001 frisches Geld. Die beiden Aktionäre Rolf Gerling, der 70 Prozent hält, und Deutsche Bank mit 30 Prozent haben deshalb schon im Dezember das Kapital um 408 Mio. Euro im Verhältnis 70 zu 30 erhöht, bestätigte ein Gerling-Sprecher: „Die Kapitalerhöhung war zum bilanziellen Ausgleich von Verlusten notwendig, außerdem wurden Investitionen finanziert und ein Puffer für die Zukunft gelegt.“

Marktgerüchte, nach denen das Loch noch deutlich größer sein könnte und weitere Einschüsse erfordert, wollte er nicht kommentieren. Gerling ist mit 9,55 Mrd. Euro Brutto-und 7,7 Mrd. Euro Nettoprämieneinnahmen im Jahr 2000 der viertgrößte Versicherungskonzern in Deutschland. Zahlen für 2001 liegen bisher nicht vor. Für 2000 hatte der Konzern noch einen Jahresüberschuss von 185 Mio. Euro gemeldet.

Hauptverlustbringer sind die Gerling Globale Rück und der Sachversicherer Gerling Allgemeine, der vor allem im defizitären Industriegeschäft tätig ist. Dazu trug der 11. September bei, der die gesamte Gerling-Gruppe nach Erstattungen von den Rückversicherern und nach Steuern 200 Mio. Euro kostet. Darüber hinaus wurde Gerling von weiteren Großschäden und der im ganzen unbefriedigenden Preissituation getroffen. Positiv verliefen dagegen die Kreditversicherung und die Lebensversicherung, hieß es in den Kreisen. Im Lebensbereich will Gerling noch in 2002 seine beiden Gesellschaften Gerling-Konzern Lebensversicherung in Köln und Gerling E&L Lebensversicherung in Wiesbaden, den 1998 übernommenen Makler-Spezialisten, fusionieren. Das bestätigte der Sprecher.

Der neue Gerling-Chef Heinrich Focke, der am 1. Januar 2002 die Nachfolge von Jürgen Zech antrat, hat keine einfache Aufgabe, den Konzern in die Gewinnzone zurückzuführen. Zwar steigen die Preise für Rück-und Industrieversicherungen drastisch an. Aber Gerling hat neben hohen Schäden auch mit Strukturproblemen zu kämpfen. Ob der Konzern den Marktaufschwung deshalb so nutzen kann, wie seine Aktionäre erwarten, muss sich erst noch zeigen.

Für die Deutsche Bank erweist sich das 1991 eingegangene Engagement bei Gerling erneut als teurer Ballast. Ursprünglich hatte die Bank die Mehrheit bei Gerling angestrebt, die ihr Rolf Gerling aber verweigerte. Ein mehrfach angekündigter Börsengang, bei dem die Deutsche Bank ihren Anteil hätte elegant reduzieren können, wurde 2001 auf Eis gelegt. Bankchef Rolf-E. Breuer brachte den Börsengang vor zwei Wochen erneut ins Spiel. Er ist in der gegenwärtigen Lage für den Konzern als Ganzes aber unwahrscheinlich. Ein Teilbörsengang der erfolgreichen Kreditversicherung scheint eher realistisch.

Zitat:

„Die Kapitalerhöhung war zum Ausgleich von Verlusten notwendig“ – Gerling-Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


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