Allianz Leben hofft auf Riester, Betriebe und Dresdner Bank

Von Herbert Fromme, Stuttgart Hohe Ziele hat sich die Allianz Lebensversicherung gesteckt: Im Jahr 2002 will der Marktführer 1,3 Millionen Riester-Policen verkaufen, bis Mitte März waren es erst 86 000. Vorstandschef Gerhard Rupprecht erwartet eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte. „Die Politik darf nicht länger auf die Bremse drücken.“ Im Jahr 2001 hatte die Allianz schon 300 000 Policen abgesetzt.

Die Riester-Policen mit ihren 12-Euro-Monatsbeitrag und der Trend zu jüngeren Kunden mit geringeren Einstiegsbeiträgen führen bei der Allianz Leben zu niedrigeren Beitragssummen im Neugeschäft. Die Zahl der Vertragsabschlüsse stieg zwar um 37 Prozent auf 550 000, die Neubeiträge aber nur um ein Prozent auf 2 Mrd. Euro.

Die Beitragseinnahmen gingen 2001 sogar um ein Prozent auf 8,3 Mrd. Euro zurück. „In diesem Jahr wollen wir um fünf bis sechs Prozent wachsen“, sagte Rupprecht.

Erfolgreich verlaufe der Verkauf über die Dresdner Bank, mit der die Allianz im August 2001 fusionierte. Jetzt vertreibt sie bundesweit ihre Produkte über die Bank, bis Mitte 2001 war die Kooperation regional beschränkt – in anderen Teilen des Landes war die HypoVereinsbank (HVB) Allianz-Partner. Mit 800 Versicherungsexperten kurbelt die Allianz jetzt den Verkauf über die Tochter an, bisher mit mäßigem Erfolg. In 2000 kamen insgesamt 7,6 Prozent des Neugeschäfts aus den Kooperationen mit Dresdner und HVB, in 2001 waren es moderate 8 Prozent. Aber im laufenden Jahr soll der Anteil des Dresdner-Bank-Geschäfts schon bei 15 Prozent liegen, versprach Rupprecht.

Große Erwartungen hat er auch an den Tandemauftritt in der betrieblichen Altersversorgung. „Dazu gehört die Entwicklung von neuen Produkten gemeinsam mit der Bank.“ Weil sie ihre eigene Pensionskasse geöffnet hat, kann die Allianz Leben – im Gegensatz zu fast allen Konkurrenten – schon die betriebliche Altersvorsorge per Pensionskasse anbieten.

In der tariflich vereinbarten Metallrente ist die Allianz Leben mit 55 Prozent Konsortialführer und leitet die Verwaltung. In vier Jahren erwartet Vorstand Michael Hessling 400 000 Metallrente-Kunden.

Niedrige Zinsen, der Kollaps der Aktienmärkte und die Probleme der New Economy trafen auch die Allianz Leben. So kostete allein die Pleite des US-Internetunternehmens Winstar die Stuttgarter 61 Mio. Euro. Die Nettoverzinsung sank von 7,8 Prozent auf 6,9 Prozent.

Der Gesamtüberschuss ging um 22 Prozent auf 2,67 Mrd. Euro zurück, die daraus den Kunden gutzuschreibenden Mittel um 23,5 Prozent auf 2,46 Mrd. Euro. Der den Aktionären – zu 91 Prozent Allianz Holding – zustehende Jahresüberschuss blieb unverändert bei 210 Mio. Euro, die Dividende ebenfalls stabil bei 131,3 Mio. Euro.

Zitat:

„Die Politik darf bei Riester nicht mehr bremsen“ – Gerhard Rupprecht, Chef der Allianz Leben.

Quelle: Financial Times Deutschland


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