Assekuranz und Industrie pochen auf Staatsdeckung

Gespräche mit Eichel noch in diesem Monat angestrebt · Industrie kritisiert handlungsunfähige Versicherer

Von Herbert Fromme, Hamburg Die Versicherungswirtschaft hat „bislang keine Anzeichen dafür, dass die Bundesregierung nicht bereit ist, sich an einer Lösung für das Terrorismus-Deckungs-Problem zu beteiligen“. So vorsichtig formulierte Axel Theis, Vorstand der Allianz Versicherung und Verhandlungsführer der Assekuranz in ihren Gesprächen mit dem Finanzministerium, bei einer Euroforum-Fachkonferenz.

Nach Angaben aus Berlin ist das Finanzministerium zur Zeit dabei, nach mehreren Gesprächen zwischen Beamten und der Assekuranz seine Position zu dem Problem zu formulieren. Dann soll – möglichst noch diesen Monat – ein Gespräch zwischen Finanzminister Eichel und den Versicherern folgen. Ein Termin steht noch nicht fest.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September haben viele Versicherer ihre Deckungen für solche Schäden stark reduziert oder gekündigt. Damit Industrie-und Immobilienfirmen trotzdem Versicherungsschutz gegen Terrorangriffe auf exponierte Gebäude und Anlagen finden, schlägt die Branche vor, dass solche Schäden bis 3 Mrd. Euro von einem speziell dafür gegründeten Versicherer (Arbeitstitel „Extremus AG“) gedeckt werden.

Darüber hinaus soll der Staat haften. Bisher zeigte die Regierung wenig Enthusiasmus für ein dauerhaftes Engagement. Theis wies darauf hin, dass in anderen Ländern wie Frankreich und Großbritannien solche Lösungen schon bestehen. Zwar sei eine europäische Antwort auf das Problem ohnehin am besten, doch brauche man dafür zu viel Zeit.

Günter Schlicht vom Deutschen Versicherungs-Schutzverein (DVS), der die Interessen industrieller Versicherungseinkäufer vertritt, mahnte rasches Handeln an. „Die deutsche Wirtschaft wartet dringend auf eine befriedigende Lösung des Terrorschaden-Problems, einschließlich einer staatlichen Unterstützung.“ Während Assekuranz und Industrie in dieser Frage an einem Strang ziehen, bleibt Missstimmung bei den Versicherungskäufern. Die lang bewährte Partnerschaft drohe zu kippen. Nach dem 11. September sei die Versicherungswirtschaft handlungsunfähig gewesen. „Angebote werden zurückgenommen, beziehungsweise nicht mehr abgegeben. Verhandlungen mutieren unter Zeitdruck zum Diktat.“ Den Luftverkehrsunternehmen sei mit kurzer Frist die Deckung entzogen worden, nur mit staatlicher Hilfe konnten sie weiterfliegen. Insgesamt denke man auf Kundenseite wegen der stark gestiegenen Preise über alternative Mechanismen nach. Künftig werde möglicherweise nur noch das Katastrophenrisiko und nicht mehr die Grundlast versichert.

Zitat:

„Die Industrie wartet dringend auf eine Lösung“ – Günter Schlicht, DVS.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


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