Auch HDI kommt mit eigener Terrordeckung auf den Markt

Von Herbert Fromme, Berlin Deutschlands drittgrößter Industrieversicherer Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) bietet ab April eine Terrorschaden-Deckung an. Vorstandsmitglied Gerhard Heidbrink sagte, Unternehmen könnten einheimische Risiken bis 50 Mio. Euro absichern. Auch die Allianz plant zurzeit die Gründung eines Terrorversicherers in Luxemburg, zusammen mit vier Partnern, hier hat die HDI-Tochter Hannover Rück Interesse. Der US-Versicherer AIG versichert Firmen ebenfalls gegen Anschläge, die aus normalen Policen nach dem 11. September ausgeschlossen wurden.

Heidbrink sagte, die Gründung richte sich nicht gegen das Projekt eines Terrorversicherers, den die gesamte Versicherungsbranche mit dem Arbeitstitel „Extremus AG“ plant. „Unser Angebot ist eine Vorlösung „, erklärte er.

Die Branche setze weiter auf eine staatliche Beteiligung für Schäden über 3 Mrd. Euro. „Es ist aber aus haushaltsrechtlichen Gründen unwahrscheinlich, dass der Staat unbegrenzt haftet“, sagte Heidbrink.

Informationen der FTD, nach denen die Bundesregierung eine Beteiligung mit höchstens 3 Mrd. Euro erwägt – derselben Summe, die von der Assekuranz zugesagt wird – wollte er nicht kommentieren. Obwohl der HDI anders als seine Tochtergesellschaft Hannover Rück vom 11. September kaum direkt betroffen wurde, war das Jahr 2001 in der Industrieversicherung „eine einsame Katastrophe“, sagte Vorstand Klaus-Peter Herfeld. Für 2002 habe der Versicherer schon deutliche Preiserhöhungen von mehr als 25 Prozent durchsetzen können.

Großschäden trafen besonders die Haftpflichtversicherung. Vorstand Christian Hinsch nannte versicherte Ansprüche gegen Bayer wegen Lipobay, den Hüftgelenke-Hersteller Sulzer Medical, Aventis wegen Futter-Genmais, der in Nahrungsmittel gelangte, und die Continental-Tochter General Tyre in den USA.

Die Schadenquote, die den Schadenaufwand im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen zeigt, verschlechterte sich um 15 Punkte auf 120 Prozent. Dazu kommen noch 18 Prozent Kosten. Für jeden Beitrags-Euro musste der HDI also 1,38 Euro für Schäden und Kosten aufbringen. Zwar wird ein – nicht spezifizierter – Teil von Rückversicherern getragen, dennoch verlief das Geschäft tiefrot. Insgesamt erzielte der HDI Beitragseinnahmen von 929 Mio. Euro, ein Plus von 15,9 Prozent.

Auch die Kapitalerträge litten unter den schwachen Märkten. Allerdings wird der HDI auf Grund von Sondereinflüssen, die aus der Umstrukturierung des Konzerns stammen, trotzdem einen Gewinn vorweisen können, sagte Hinsch.

Quelle: Financial Times Deutschland


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