Deutsche Verkehrsbank sucht internationalen Eigentümer

Boeing Capital als Interessent nicht im Gespräch · Institut durch Luft-und Schifffahrtskrisen kaum getroffen

Von Herbert Fromme, Frankfurt Die Deutsche Verkehrsbank (DVB) in Frankfurt sucht einen neuen, internationalen Großaktionär. Der Mehrheitseigner, die DZ Bank, hat mehrfach angekündigt, dass die DVB nicht zum Kerngeschäft gehört. Man denke über den Verkauf des 67,07-Prozent-Anteils nach. Die DVB ist auf die Finanzierung von Schiffen, Flugzeugen und Landtransportprojekten spezialisiert.

„Unsere Gesellschaft ist international, unsere Aktionäre sind es nicht“, sagte Vorstandschef Wolfgang Driese der Financial Times Deutschland. Einzelheiten zu möglichen Interessenten wollte er nicht nennen – mit einer Ausnahme: Gerüchte über Verhandlungen zwischen der DZ Bank und der Boeing Capital Corporation seien falsch. „Es hat keine Gespräche mit Boeing gegeben“, sagte Driese. Da das Flugzeug-Portefeuille der DVB zu 60 Prozent Boeing und zu 40 Prozent Airbus-Flugzeuge enthalte, mache eine solche Übernahme auch wenig Sinn.

Skeptisch sieht Driese wegen des Marktumfeldes auch die Chancen, den Streubesitz der börsennotierten Bank von derzeit 8,89 Prozent auszubauen. Minderheitsaktionäre der DVB sind die genossenschaftlichen Sparda-Banken mit 13,29 Prozent, der Versicherer Kravag mit 10 und die Deutsche Bahn mit 0,75 Prozent.

Driese hat die Gruppe in den vergangenen fünf Jahren konsequent in Richtung internationaler Transportfinanzierung spezialisiert. Inzwischen kommen 90 Prozent des Geschäfts aus dem Ausland. Die Rolle als Zentralbank für die Sparda-Banken gibt die DVB gerade auf, die profitable Reisebank mit ihren Wechselstuben sieht Driese vor allem als Kapitalanlage.

Rund 53 Prozent des DVB-Darlehensbestandes von 8 Mrd. Euro kommen aus der Schifffahrt. Dies ist vor allem ein Ergebnis der Übernahme der niederländischen Schiffsbank Nedship für 300 Mio. $ im Jahr 2000. Aus der Flugzeugfinanzierung stammen 27 Prozent der Kredite, aus dem Landtransport 16 Prozent, der Rest kommt aus Altgeschäften. Um die Risiken besser zu streuen, strebt Driese bis 2007 eine neue Aufteilung an: Jeweils 40 Prozent des Geschäftsvolumens sollen auf die Schifffahrts-und die Flugzeugfinanzierung entfallen, die übrigen 20 Prozent auf den Landtransport. Trotz der Branchenkrisen habe die DVB keinen Wertberichtigungsbedarf in der Luftfahrt. In der Schifffahrt seien es lediglich 5 Mio. Euro.

Vorstandschef Driese will den Gewinn vor Steuern und Risikovorsorge von jetzt 32,8 Mio. Euro auf 65,5 Mio. Euro im Jahr 2006 verdoppeln. Übernahmen seien nicht geplant.

Bild(er):

DVB-Vorstandschef Wolfgang Driese – Deutsche Verkehrsbank.

Quelle: Financial Times Deutschland


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