Gerling-Konzern braucht schon wieder frisches Geld

Deutsche Bank muss 300 Mio. Euro zuschießen · Breuer sucht eleganten Weg aus dem EngagementEuro

Von Herbert Fromme, Köln Der Versicherungskonzern Gerling braucht erneut frisches Geld. Um unerwartet hohe Verluste des konzerneigenen Rückversicherers auszugleichen, sind 300 Mio. Euro nötig. Erst im Dezember hatten die Eigner Rolf Gerling und Deutsche Bank zusammen 408 Mio. Euro nachgeschossen. Rolf Gerling hielt damals 70 Prozent am Konzern.

Die neue Kapitalerhöhung von 300 Mio. Euro trägt allein die Deutsche Bank. Dadurch erhöht sich ihr Anteil an Gerling auf 34,5 Prozent. Rolf Gerlings Ressourcen waren offenbar erschöpft. Im Dezember hatte er 286 Mio. Euro aus eigenen Mitteln aufgebracht.

Zudem kam es zu einem Personalwechsel in der Konzernführung. Norbert Strohschen, Mitglied des Holding-Vorstands und Chef der Gerling Globale Rückversicherung, verlässt das Unternehmen. An seine Stelle tritt vorerst Björn Jansli, der gleichzeitig weiter für das Sachgeschäft der Gruppe verantwortlich bleibt. Der Konzern will den Rückversicherer, mit 5 Mrd. Euro Umsatz der fünftgrößte der Welt, neu ausrichten. Möglicherweise werden ganze Geschäftsfelder aufgegeben.

Die Globale Rück erlitt 2001 einen Verlust nach Steuern von 500 Mio. Euro. Der operative Verlust im eigentlichen Rückversicherungsgeschäft dürfte deutlich darüber liegen. Der Anschlag in New York kostete die Globale Rück 300 Mio. Euro. Hinzu kamen weitere Großschäden und hohe Rückstellungen für alte Asbestschäden in den USA. Nach Ansicht von Branchenkennern kamen diese Schäden vor allem aus der 1998 für mehr als 700 Mio. $ von Strohschen gekauften US-Tochter Constitution Re. „Offenbar gab es dort Leichen im Keller, die bei der Übernahme nicht entdeckt wurden“, hieß es. Dadurch sei Strohschen unter Druck geraten.

Die Deutsche Bank sucht jetzt einen Weg aus ihrem teuren Engagement. Bankchef Rolf-E. Breuer prüft als eine von mehreren Optionen den Verkauf des Anteils an einen internationalen Investor, der Garantien für einen späteren Weiterverkauf erhält. Damit wäre der Gerling-Anteil nicht mehr in der Bilanz der Bank. Nach Informationen der FTD wurde die Investmentbank AT Kearney mit der Partnersuche beauftragt.

Weiterer Bericht Seite 19.

Quelle: Financial Times Deutschland


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