Neuer Chef soll Gerling Rück sanieren

Altlasten und Großschäden führen zu Rekordverlust · Rückversicherer soll neu positioniert werden

Von Herbert Fromme, Köln Björn Jansli, der gestern zum Vorstandsvorsitzenden der Gerling Globale Rückversicherung ernannt wurde, soll die Tochter des angeschlagenen Konzerns „strategisch neu ausrichten“. Das wird ein harter Sanierungsjob, der auch Arbeitsplätze kosten und Verkäufe zur Folge haben könnte.

Die Gerling Globale ist in einer tiefen Krise. Jansli soll retten, was zu retten ist. Offenbar hat Konzernchef Heinrich Focke, der erst im Januar auf Jürgen Zech folgte, in der kurzen Zeit keinen erfahrenen Vollzeitmanager von außen gefunden. Norbert Strohschen, bisher Chef der Gerling Globalen und Mitglied des Holding-Vorstands, trat Anfang dieser Woche zurück.

Er war unter heftigen Druck geraten. Denn ein großer Teil der überraschend aufgetauchten Verluste der Gerling Globalen stammt nicht etwa aus dem Terrorüberfall auf das World Trade Center. Der kostete die Globale zwar auch 300 Mio. Euro. Dazu kommen aber weitere Großschäden und die Not einer Tochtergesellschaft in den USA, die Strohschen 1998 für mehr als 700 Mio. $ und damit viel zu teuer gekauft hatte. Die Constitution Re schleppt eine von Strohschen unerkannte Zeitbombe mit: Jahrzehnte alte Rückversicherungsverträge für Asbestrisiken, die wegen der neuen Klagewelle von Asbestgeschädigten 2001 zu hohen Rückstellungen zwangen.

Außerdem war die Gerling Globale bekannt dafür, dass sie mit sehr günstigen Preisen die Konkurrenz oft ausstach – und sich offenbar schwere Risiken einfing, die jetzt teuer werden. Die Konsequenz: Der Gerling-Konzern muss einen Verlust nach Steuern von 500 Mio. Euro bei seinem Rückversicherer verdauen. Im Vorjahr hatte der noch einen Gewinn von 100 Mio. Euro erzielt. Der technische Verlust (Prämien minus Schäden und Kosten) dürfte um die 1 Mrd. Euro betragen haben – bei Prämieneinnahmen von 5 Mrd. Euro.

Zur neuen Strategie von Jansli, der nebenbei auch seinen Job als Chef der Sachversicherung Gerling Allgemeine behält, gab es gestern keine Einzelheiten. Aber wenigstens war er schon von 1984 bis 1999 für den Rückversicherer tätig. Wahrscheinlich ist die Aufgabe unprofitabler Länderbereiche und Geschäftsfelder, gerade in den USA. So steht das Finanzrückversicherungsgeschäft (Alternative Risk Transfer) in den USA auf dem Prüfstand.

Die Deutsche Bank musste zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten frisches Geld bei Gerling einschießen – erst 122 Mio.Euro, jetzt 300 Mio. Euro. Das schmerzt um so mehr, als Bankchef Rolf-E. Breuer sich seit Jahren schon ganz aus dem Versicherungssektor zurückziehen will. Der lange geplante Gerling-Börsengang ist vorerst gescheitert, der Unwille von Rolf Gerling, die Mehrheit aufzugeben, macht einen direkten Verkauf der 30 Prozent fast unmöglich. Jetzt prüft die Bank mehrere Ausstiegsszenarien, möglicherweise mit Hilfe ausländischer Investoren. Konzernchef Heinrich Focke will von solchen Überlegungen nichts wissen. „Ich habe von den Herren Breuer und Gerling den Auftrag erhalten, den Unternehmenswert zu steigern und damit eine Plattform zu schaffen, damit sie die Situation in drei Jahren überdenken können“, sagte er der FTD. Außerdem zeige die erneute Kapitalerhöhung, dass die Anteilseigner Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens hätten.

Bild(er):

Krisenstimmung beim Kölner Gerling-Konzern: Die Rückversicherung fuhr 500 Mio. Euro Verlust ein – Gerling(2), Brauchitsch.

Quelle: Financial Times Deutschland


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