Pensionsfonds – wie eine gute Idee erdrosselt wird

Von Herbert Fromme So langsam dämmert es den Deutschen. Private Altersvorsorge ist keine Marotte von Arbeitsminister Walter Riester, sondern eine ernste Notwendigkeit für alle, die kein großes Vermögen haben und trotzdem im Alter nicht verarmen wollen. Ebenso langsam spricht es sich herum, dass die betriebliche Altersvorsorge – vor allem Pensionskassen und Pensionsfonds – bessere Renditen als private Riester-Verträge bringen kann, erst recht, wenn die Befreiung der Beiträge von der Sozialversicherungspflicht bis 2008 in Betracht gezogen wird.

Die Einführung von Pensionsfonds und die Stärkung der Rolle von Pensionskassen ist die oft verkannte, eigentliche Revolution in der Altersvorsorge, die Riester angestoßen hat. Die beiden unterscheiden sich im Wesentlichen in der Struktur ihrer Kapitalanlagen: Die schon lange erlaubte Pensionskasse legt nach den Vorschriften für die Lebensversicherer an, der Pensionsfonds hat mehr Freiheiten, zum Beispiel bei der Aktienquote. Beiden gemeinsam sind aber die geringe Kostenquote und die Möglichkeit, direkt von Lohn und Gehalt für das Alter zu sparen. Sie könnten zum wichtigsten Träger der privaten Altersvorsorge werden.

Aber die Gefahr wächst, dass die gute Idee trotz ihres Potenzials keinen guten Start hat, vielleicht überhaupt nicht fruchtet. Der Grund: Eine Mischung aus bürokratischem Versagen und zu viel gutem Willen, Letzteres ausgerechnet bei den Unterstützern im Gewerkschafts-und Arbeitgeberlager.

Bei der Reform der privaten Altersvorsorge hat Minister Riester den benötigten Zeitrahmen für die Genehmigung der Pensionsfonds vollständig falsch eingeschätzt. Während die Vertretertruppen der Versicherer schon seit fast einem Jahr unterwegs sind und die mit hohen Kosten beladenen privaten Riester-Verträge verkaufen, haben die Pensionsfonds noch nicht einmal eine Zulassung. Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, das Finanzminister Hans Eichel untersteht, wird die ersten Pensionsfonds nicht vor April zulassen. Erst im Dezember waren die Rechtsvorschriften für Kapitalanlagen und Rückstellungen veröffentlicht worden, erst dann konnten die Unternehmen überhaupt Anträge stellen.

Aber auch nach der Zulassung ist der Erfolg der großen, durch Tarifverträge vereinbarten Pensionsfonds keineswegs garantiert. Das liegt an einem fundamentalen Denkfehler, den Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Einrichtung der tariflichen Pensionsfonds begehen. Zu Recht wollen sie sich mit höherer Rendite und damit besseren Rentenleistungen von der kostenträchtigen privaten Riesterrente abheben. In den Verhandlungen mit den privaten Betreibern der Pensionsfonds haben sie deshalb denkbar knappe Kostensätze durchgesetzt – und sich dabei selbst ein Bein gestellt. Denn diese knappen Margen lassen keinen Raum für aktive Verkaufsanstrengungen. Die dermaßen strangulierten Pensionsfonds sind darauf angewiesen, dass ihre Kunden von selbst kommen, die Kostensätze reichen jedoch kaum für Postwurfsendungen an alle Mitarbeiter.

Die Erfahrung aus dem 1998 abgeschlossenen Vertrag über betriebliche Altersvorsorge in der Chemieindustrie zeigt, dass die auf Eigeninitiative beruhenden Systeme nicht funktionieren. Das attraktive Angebot wurde von den Mitarbeitern kaum angenommen. Auch in der betrieblichen Altersvorsorge gilt, dass sie nicht gekauft wird, sondern aktiv verkauft werden muss. Sie konkurriert mit Urlaubsreise, Auto, Möbelkauf und Schuldenrückzahlung. Die Neigung, von sich aus etwas für das Alter in 20 oder 30 Jahren zurückzulegen, ist zunächst einmal gering.

Auch die Arbeitgeber müssen dringend umdenken, wenn die Pensionsfonds kein Flop werden sollen. Auch sie sparen kräftig durch die nicht mehr fälligen Sozialbeiträge. Zumindest einen Teil davon sollten sie ihren Mitarbeitern als Beteiligung an deren Altersvorsorge zugute kommen lassen und damit die Fonds noch attraktiver machen.

Denn stellen sich die betrieblichen Sparsysteme als Misserfolg heraus, wird der Druck auf die Politiker wachsen, die private Vorsorge verpflichtend zu machen. In einem solchen Fall hätten es die Unternehmen schwer, Forderungen aus dem Gewerkschaftslager nach einer Beteiligung mit der Hälfte der Beiträge abzuwehren – analog zur gesetzlichen Rentenkasse.

Zitat:

„Die Einführung von Pensionsfonds ist die eigentliche Revolution in der Altersvorsorge“.

Quelle: Financial Times Deutschland


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