Versicherungsverband korrigiert allzu optimistische Erwartungen

Riesterrente enttäuscht · Autoversicherer im Plus

Von Herbert Fromme, München Die deutsche Assekuranz erwartet nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für 2002 rund fünf Prozent Zuwachs in der Lebensversicherung. Damit korrigierte GDV-Präsident Bernd Michaels eine optimistischere Prognose vom November, als er von 7,5 Prozent ausging.Vor allem die Riester-Rente läuft nicht so gut wie erwartet. Gerhard Rupprecht, Chef der Allianz Leben, sagte, die Branche sei unzufrieden mit der Zahl von 1,5 Millionen bisher abgeschlossener Verträge. Ratschläge der Medien, auf die „vermeintlich effizientere betriebliche Altersversorgung zu warten“, verschärften die allgemeine Unsicherheit.

Michaels erwartet aus Riester-Renten im laufenden Jahr 1,33 Mrd. Euro Prämieneinnahme. Damit werde die Lebensversicherung insgesamt um 3,2 Mrd. Euro auf 65,6 Mio. Euro wachsen. In der Schaden-und Unfallversicherung wird der Markt wieder um rund drei Prozent auf 51 Mrd. Euro zulegen, in der Krankenversicherung um fünf Prozent auf knapp 23 Mrd. Euro; insgesamt um vier Prozent auf 141 Mrd. Euro.

Mit dem Wachstum von 2,8 Prozent auf 135,5 Mrd. Euro im Jahr 2001 ist Michaels zufrieden. Ausgezahlt wurden 119,3 Mrd. Euro, außerdem stiegen die Leistungsverpflichtungen für Lebensversicherte um 39 Mrd. Euro.

Zu den Kosten und den Kapitalerträgen der Branche, beides Kerngrößen ihres wirtschaftlichen Erfolges, konnte der GDV keine Angaben machen. Die laufenden Erträge vor allem aus Zinsen und Dividenden schätzt er – hochgerechnet aus Zahlen des Jahres 1999 – für 2000 auf 47,6 Mrd. Euro und für 2001 auf 48,2 Mrd. EuroEuro. Daten über die erheblichen Gewinne der Versicherer aus dem Verkauf von Aktien und anderen Anlagen mochte der Verband nicht nennen. Damit fällt eine Einschätzung der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage schwer.

Einen Lichtstrahl sehen die Unternehmen in der Autosparte. Die Prämieneinnahmen stiegen 2001 um fünf Prozent auf 21,4 Mrd. Euro, das entspricht durchschnittlichen Preiserhöhungen von drei Prozent. Gleichzeitig ging die Schadenhäufigkeit von 78 Schäden pro 1000 Fahrzeugen auf 75 zurück, sagte Bruno Gas, Chef der Mecklenburgischen Versicherung. Die Combined Ratio, bei der Schadenaufwand und Kosten im Verhältnis zu den Beiträgen gerechnet werden, fiel von 108,8 Prozent auf 103 Prozent. Da in der Autoversicherung hohe Kapitalerträge anfallen, dürften die Gesellschaften hier unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben.

Künftig werden Autofahrer keine unbegrenzte Deckung mehr kaufen können, sagte Gas. Die Assekuranz will bis höchstens 50 Mio. Euro haften. Sie reagiert damit unter anderem auf einen Autogrößtschaden im britischen Selby. Dort geriet ein Fahrer auf Eisenbahngleise und verursachte einen Unfall mit geschätzten Schäden von mehr als 80 Mio. Euro.

Bild(er):

GDV-Präsident Bernd Michaels – Modus/Jardai.

Quelle: Financial Times Deutschland


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