Werftengruppe aus HDW und ThyssenKrupp rückt näher

Kooperationsvertrag mit Bedingungen unterzeichnet

Von Herbert Fromme, Köln Die beiden Werftgruppen Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) und ThyssenKrupp Werften haben einen neuen Kooperationsvertrag für ihr Hauptgeschäftsfeld Kriegsschiffbau unterzeichnet. Er soll Ende des Jahres in Kraft treten, wenn die bisherigen Vereinbarungen auslaufen. Allerdings wird der neue Vertrag nur gültig, wenn ThyssenKrupp sich bis dahin mit 15 Prozent an HDW beteiligen kann und Babcock-Borsig seine Anteile an der Kieler Werft ganz verkauft hat. Das bestätigte ein ThyssenKrupp-Sprecher. „Es handelt sich dabei nicht um eine Bedingung, die wir als ThyssenKrupp stellen“, sagte der Sprecher. Die Tatsache, dass Babcock-Borsig nicht nur die Hälfte seiner Aktien an HDW, sondern die gesamten 50 Prozent plus eine Aktie abgibt, sei Grundlage aller Vereinbarungen um HDW.

Damit nimmt die komplizierte Saga um die Kieler Werft eine weitere Wendung – und der von der Bundesregierung seit 2000 angemahnte Werftenverbund der Kriegsschiffbauer mit Kapitalbeteiligungen rückt näher. Babcock-Borsig hatte vor zwei Wochen überraschend mitgeteilt, die Hälfte seiner Aktien an HDW an den US-Investor One Equity Partners verkaufen zu wollen, der zur Bank One in Chicago gehört. Gleichzeitig erklärte Preussag seine Bereitschaft, seinerseits knapp 50 Prozent an HDW den Amerikanern zu verkaufen. ThyssenKrupp reagierte mit einem Angebot für HDW – Verhandlungen mit Babcock und Preussag wurden geführt, eine Einigung nicht erreicht. Allerdings erklärte sich One Equity bereit, an ThyssenKrupp 15 Prozent an HDW abzugeben.

Zu ThyssenKrupp gehören Blohm + Voss in Hamburg und die Thyssen-Nordseewerke in Emden. Die beiden Betriebe arbeiten im Kriegsschiffbau seit 20 Jahren eng mit HDW zusammen. Emden baut bei vielen U-Booten das Heck, während der vordere Teil bei HDW in Kiel gefertigt wird. Auch bei Fregatten gibt es eine ähnliche Kooperation, vor allem bei Aufträgen der Bundesmarine.

Bei nichtnuklearen U-Booten ist das Konsortium Weltmarktführer, zur Zeit entwickelt es eine neue Brennstoffzellen-Technologie, die das lange Tauchen ohne Sauerstoffbedarf möglich machen und deshalb eine Alternative zu nuklearen Antrieben bedeutet.

Der Dritte im Bunde ist Ferrostaal, das zur MAN-Gruppe gehörende Handelshaus. Über Ferrostaal wickeln die beiden Werftgruppen viele Auslandsaufträge ab, vor allem die Gegengeschäfte, die bei Rüstungsaufträgen regelmäßig fällig werden. Auch Ferrostaal hat das Angebot von One Equity auf eine Beteiligung von 15 Prozent.

Zitat:

„Die Abgabe aller Aktien durch Babcock ist Grundlage“ – ThyssenKrupp-Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


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