Axa setzt auf Hausarztprinzip

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Hausärzte sind bei der Axa Krankenversicherung gern gesehen. Sie kümmern sich um die Gesundheit ihrer Versicherten und tun es vor allem kostengünstiger als Fachärzte. Abrechnungsunterlagen aus den Jahren 1999 bis 2001 zeigen: Die Behandlungskosten sinken um ein Drittel, wenn die Versicherten zum Hausarzt gehen.

Die Axa Kranken hat 1995 – damals noch als Colonia Kranken – als erster privater Krankenversicherer in Deutschland einen Hausarzttarif auf den Markt gebracht, den Elementartarif. Kunden, die zunächst zum Allgemeinmediziner oder praktischen Arzt gehen, erhalten die vollen Kosten erstattet. Suchen sie direkt einen Facharzt auf, gibt es nur 80 Prozent, ausgenommen sind Frauen-, Kinder-und Augenärzte. Der Elementartarif ist preisgünstiger als klassische Vollversicherungstarife – auch weil der Leistungsumfang geringer ist. Bis Ende 2001 hat die Axa Kranken mehr als 70 000 Policen verkauft. Das Produkt kommt vor allem bei Selbstständigen und Existenzgründern gut an.

„Wir sind vom Hausarztprinzip nach wie vor überzeugt“, sagt der Vorstandsvorsitzende Gernot Schlösser. Die bei der Konzeption des Elementartarifs veranschlagte Kostenersparnis hat sich über die Jahre bestätigt. Nach seiner jüngsten Analyse zahlt das Kölner Unternehmen für Kunden, die zuerst zum Hausarzt gehen, 32 Prozent weniger. Bei den hausarzttreuen Versicherten waren es durchschnittlich 272 Euro pro Behandlungsfall, suchen die Patienten direkt den Facharzt auf 401 Euro.

Kritiker argumentieren oft damit, dass den Tarif vor allem junge und gesunde Versicherte wählen, die ohnehin eine günstigere Kostenstruktur haben. Dieses Argument entkräftet Schlösser mit weiteren Daten aus der Untersuchung. Auch in den klassischen Vollversicherungstarifen zeige sich eine deutliche Kostendifferenz zu Gunsten der Hausärzte.

Das Hausarztprinzip schlägt sich beim Elementartarif positiv auf die Preise nieder. Nach Angaben Schlössers haben die Leistungskosten jährlich im Schnitt ein Plus von 4,1 Prozent bei den Prämien verursacht – Faktoren wie die neue Sterbetafel oder der Zehn-Prozent-Zuschlag sind dabei ausgeklammert. Im Vergleich: Bei klassischen Vollversicherungstarifen der Axa Kranken waren es 5,5 bis 6 Prozent. „Es gibt wenig Gründe, die gegen den Tarif sprechen“, ist Schlösser sicher.

Die Kunden halten sich mit 80 Prozent überwiegend ans Hausarztprinzip; Beschwerden gibt es kaum. Fünf Jahre nach Abschluss des Vertrags können Versicherte ohne Nachteile – etwa eine erneute Gesundheitsprüfung – in einen anderen Tarif des Unternehmens wechseln. Von dieser Option machen „weniger als 20 Prozent“ Gebrauch.

Die Axa Kranken erzielte im Jahr 2001 Prämieneinnahmen in Höhe von 605 Mio. Euro, ein Anstieg um 11,9 Prozent. Sie ist mit Abstand die wachstumsstärkste Gesellschaft der deutschen Axa-Gruppe. Die Zahl der Vollversicherten stieg 2001 um 6,9 Prozent auf 197 300. Die Aufwendungen für Versicherungsleistungen nahmen um 13,4 Prozent auf 347 Mio. Euro zu. Das Kapitalanlageergebnis der Gesellschaft fiel um 12,8 Prozent auf 68 Mio. Euro, der Jahresüberschuss von 15,5 auf 8 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


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