DBV-Winterthur will den Markt überflügeln

Versicherungsgruppe sieht gute Wachstumschancen in der betrieblichen Altersversorgung

Von Ilse Schlingensiepen, Wiesbaden Mit der Standardisierung von Policen und der Konzentration auf umsatzstarke Produkte erhofft sich die Versicherungsgruppe DBV-Winterthur nach einer Schwächephase in den nächsten Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten. Zur Strategie gehört auch die Kooperation mit anderen Versicherern, sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Nickel-Waninger.

Dabei will die DBV-Winterthur sowohl spezielle Produkte fremder Gesellschaften in ihr Angebot aufnehmen als auch eigene Angebote über Dritte vertreiben. „Mein Traum ist: Fünf bis sechs Versicherungspartner, die eine ähnliche Philosophie verfolgen, tauschen ihre Produkte aus, und jeder klebt seine eigene Marke darauf“, sagte Nickel-Waninger.

Die DBV-Winterthur, die zur schweizerischen Bank-und Versicherungsgruppe Credit Suisse gehört, braucht dringend neue Vertriebsimpulse, seit vor zwei Jahren der Kooperationspartner Commerzbank zur Aachen-Münchener wechselte. Da kein vergleichbarer Bankpartner in Sicht ist, setzt der Versicherer jetzt neben verstärkten eigenen Vertriebsanstrengungen auf gezielte Kooperationen. Die DBV-Winterthur verkauft bereits Managerhaftpflichtversicherungen – so genannte D&O-Policen – der Gothaer.

Die Gruppe werde damit aufhören, mehrere Tarifgenerationen eines Produkts nebeneinander herlaufen zu lassen, sagte Nickel-Waninger. Auch die Aufgabe von Versicherungen, die nur in sehr kleiner Stückzahl verkauft werden, ist möglich.

Als Beispiel für erfolgreiche Standardisierungen von Produktlinien nannte der Konzernchef den Tarif „Vision“ in der Krankenversicherung, der die Beratung der Versicherten durch ein Callcenter integriert hat, und das Konzept „Box“ in der Schaden-/Unfallversicherung. Hier hat die DBV-Winterthur unterschiedliche Tarife gebündelt und das Bedingungswerk vereinfacht.

Großes Potenzial sieht die Wiesbadener Gruppe in der betrieblichen Altersversorgung. Eine neue, nicht-exklusive Vetriebspartnerschaft hat sie mit der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt abgeschlossen, berichtete der Chef der Lebensversicherung Frank-Henning Florian. Im Leben-Neugeschäft entfallen bereits jetzt 44 Prozent auf das Geschäft mit Belegschaften. Die eigene Pensionskasse Winsecura steht kurz vor der Zulassung. Im vergangenen Jahr hat die Gruppe rund 10 000 Riester-Policen verkauft, 2002 sollen es 70 000 bis 80 000 private und betriebliche Verträge werden.

Im Hauptgeschäftsfeld Lebensversicherung verzeichnete die DBV-Winterthur im Jahr 2001 Prämieneinnahmen von 1,8 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 7,2 Prozent. Die Krankenversicherung legte um 3,4 Prozent auf 797 Mio. Euro zu, die Schaden-/Unfallversicherung um sieben Prozent auf 743 Mio. Euro. Für dieses Jahr sagte Nickel-Waninger für den Konzern ein Wachstum von sechs Prozent voraus.

Quelle: Financial Times Deutschland


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